Bürgermeister Marco Diethelm hisst Flagge „Mayors for Peace“ und informiert zur aktuellen Ukraine-Flüchtlingskrise

Bürgermeister Marco Diethelm hisst Flagge „Mayors for Peace“ und informiert zur aktuellen Ukraine-Flüchtlingskrise

Wie bereits berichtet ist die Gemeinde Herzebrock-Clarholz der Organisation „Mayors for Peace“ beigetreten. „Gerade jetzt möchten wir ein friedliches Zeichen setzen“ sagt Bürgermeister Marco Diethelm. Im Zuge dessen geben wir Euch hier einen Überblick zur aktuellen Ukraine-Flüchtlingssituation:

Allgemeines

In Folge der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 kam es zu einer neuen Flüchtlingskrise. In Deutschland sind seit Beginn dieses kriegerischen Angriffs mehr als 225.000 Kriegsflüchtlinge von der Bundespolizei erfasst worden. Die tatsächliche Zahl dürfte aber deutlich höher sein, weil es im Regelfall keine festen Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen gibt und Ukrainer zudem ohne Visum einreisen dürfen. Nach UN-Angaben sind mit Stand vom 22.03.2022 insgesamt rund 3,5 Millionen Menschen aus der Ukraine ins Ausland geflohen. Allein in Polen kamen bisher über zwei Millionen Menschen an. Die Schätzungen gingen dahin, dass acht Millionen Geflüchtete aufgenommen werden müssten. Noch vor zwei Wochen wurde mit fünf Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine gerechnet. Wie viele der Menschen in Deutschland ankommen könnten, kann seriös nicht beantwortet werden. Dies hängt vom weiteren Kriegsverlauf ab.

Flüchtlinge in Herzebrock-Clarholz

Bis zum 22. März sind in Herzebrock-Clarholz 86 Flüchtlinge angekommen. Es handelt sich dabei zum großen Teil um weibliche Personen mit Kindern. Sie wurden überwiegend bei ihren Verwandten, Bekannten und Freunden untergebracht.

Akquise von Wohnraum

Angesichts der zu erwartenden Flüchtlingsbewegung suchte die Gemeinde Herzebrock-Clarholz zusätzliche Unterkünfte. Deshalb rief die Verwaltung durch eine Pressemitteilung vom 28.02.2022 Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich zu melden, wenn sie Wohnungen zur Verfügung stellen können. Es wurde publik gemacht, dass die Gemeinde grundsätzlich Interesse habe, Wohnraum zu mieten, zu kaufen und auch bei nötigen Instandsetzungen zu unterstützen. Ausdrücklich wurde zudem darauf hingewiesen, dass die Unterkünfte nicht ausschließlich für Menschen aus der Ukraine bereitgestellt werden sollen. Beispielsweise gibt es auch weiterhin Familien etwa aus Syrien, die Hilfe benötigen. Zu diesem Zeitpunkt wohnten nämlich 118 Personen in gemeindeeigenen, beziehungsweise von der Gemeinde angemieteten Unterkünften, davon vier Familien mit insgesamt 20 Personen in der neuen Unterkunft an der Möhlerstraße. Für diese Personen war es extrem schwierig, angemessene Wohnräume zu finden.

Nach diesem Presseaufruf meldeten sich über 70 Personen, Familien oder auch Firmen, die diverse Angebote machten. Diese bezogen sich auf die Vermietung von Wohnraum, oft auf die Bereitstellung einzelner Zimmer oder die bloße Überlassung von Einrichtungsgegenständen, Matratzen usw. Es hat sich gezeigt, dass die Hilfsbereitschaft sehr groß war. Die Hilfe muss aber auch organisiert und koordiniert werden. Einzelne Zimmer, tageweise belegbar, haben keinen Nutzen. Mobiliar etc. kann dem Recyclinghof (Bekleidung der Kleiderstube) überlassen werden; darüber wird der Bedarf der Gemeinde nachhaltig gedeckt.

Unterkünfte der Gemeinde Herzebrock-Clarholz

Durch die Schützenbruderschaft St. Hubertus Clarholz Heerde wurde eine gemeindeeigene Hofstelle in der Bauerschaft Heerde ertüchtigt. Die Hofstelle ist im Außenbereich, etwa 5 km von Clarholz, Harsewinkel und Marienfeld entfernt. Die Bewohner können dort gut zur Ruhe kommen; draußen bestehen sehr gute Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten. Es besteht eine direkte Busverbindung nach Clarholz. Zur Nutzung des Obergeschosses muss noch ein Fluchtweg (Außertreppe) errichtet werden. Die Verwaltung geht davon aus, dass dort dann ca. 30 Flüchtlinge untergebracht werden können. Die Unterkunft ist im Augenblick mit 19 Personen belegt (ausschließlich Frauen mit Kindern).

Die Schützengilde Herzebrock hat zwei gemeindeeigene, leerstehende Bungalows im Ortsteil Herzebrock renoviert. Diese sind noch nicht belegt; die Belegung steht an.

Ein ortsansässiges Unternehmen hat der Gemeinde Unterbringungsmöglichkeiten im Industriegebiet zur Verfügung gestellt. Dort konnten im Erdgeschoss 19 Personen (Männer und Frauen) untergebracht werden. Für die Nutzung des Obergeschosses muss noch ein Fenster freigeschnitten werden. Anschließend können auch diese Räume belegt werden. Die maximale Belegung ist dort mit 19 Personen veranschlagt.

Ein Immobilien-Unternehmen hat der Gemeinde die Anmietung von Wohnungen im Ortsteil Clarholz an der B64 angeboten. Diese Wohnungen wurden vor kurzer Zeit für die Unterbringung von Werksarbeitnehmers aus Süd-Ost-Europa errichtet, sind derzeit aber leerstehend. Sie bestehen aus Einzelzimmern in Modulbauweise mit Sanitäranlagen, Küchen und sind komplett eingerichtet (mit Betten und Schränken). Die Verwaltung ist noch in Verhandlung über den Mietzins und die Mietdauer, beabsichtigt aber, das Objekt zum 01.05.2022 anzumieten. Dort können dann 52 Personen untergebracht werden.

Vermittlung an private Vermieter/innen

Die von der Gemeinde unterzubringenden Flüchtlinge werden zunächst in den vorgenannten gemeindeeigenen Unterkünften untergebracht. Sofern möglich und auch angemessen, werden sie dann an private Vermieter/innen vermittelt. Sie schließen einen privatrechtlichen Mietvertrag mit dem Vermieter ab.

Schaffung weiterer Notunterkünfte

Sollten die vorgenannten Unterkunftsmöglichkeiten nicht ausreichen, müssen Notunterkünfte errichtet werden. Da keine anderen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, müssen hierfür -wie bereits schon in anderen Kommunen des Kreises- Turn- und Sporthallen eingerichtet werden. Die Verwaltung beurteilt dies als die letzte Alternative. In Frage käme zunächst die Turnhalle an der St. Michael-Schule in Pixel und anschließend die Turnhalle an der Holzhofstraße im Ortsteil Clarholz. Mit den Vorsitzenden der beiden großen Sportvereine (Herzebrocker Sportverein und Victoria Clarholz) wurden bereits diesbezüglich Gespräche geführt, ebenso mit ortsansässigen Handwerksbetrieben, die Sichtblenden in den Turnhallen errichten müssten.

Betreuung der Flüchtlinge

In der gemeindeeigenen Hofstelle in Heerde wurde über die Volkshochschule Reckenberg-Ems ein Sprachkurs für die Flüchtlinge eingerichtet. Diesen besuchten am ersten Abend 12 Frauen. Gleichzeitig fand ein Spielangebot für die dort lebenden Kinder statt – organisiert durch Ehrenamtliche der Gemeinde.

Weitere Sprachkurse sollen in etwa zwei Wochen auch in der Unterkunft im Industriegebiet angeboten werden.

Kindergarten-Kinder

Aus der Ukraine sind bisher 10 Kinder im Kindergarten-Alter nach Herzebrock-Clarholz gekommen. Die vorhandenen Kindertagesstätten sind belegt; diese Kinder können dort also nicht aufgenommen werden.

Zur Versorgung der Kindergartenkinder (also Kinder ohne Kita-Platz und Flüchtlingskinder aus der Ukraine) werden im Augenblick Gespräche zwecks Errichtung einer Übergangslösung geführt. Es zeichnet sich eine Lösung als Provisorium ab. Darüber hinaus sollen sogenannte Brückengruppen für Flüchtlingskinder initiiert werden.

Schulkinder

Im schulpflichtigen Alter sind 23 Kinder aus der Ukraine, davon 8 im Grundschulalter. Je nach Wohnort werden diese Kinder auf die ortsansässigen Grundschulen verteilt. Aufnahmekapazitäten bestehen (noch) in der Wilbrandschule und Bolandschule. Die älteren Kinder können an der von-Zumbusch-Gesamtschule aufgenommen werden. Ein Abstimmungsgespräch mit den Schulleitungen und der Verwaltung fand am 23.03.2022 statt; die schulpflichtigen Schülerinnen und Schüler wurden auf die Schulen verteilt und nehmen ihren Unterricht ab der 13. Kalenderwoche 2022 auf.

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