Landesleistungsstützpunkt: Nachwuchskader aus ganz Westfalen kommen jede Woche nach Herzebrock | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Jeden Mittwoch reisen Nachwuchstalente aus ganz Westfalen nach Herzebrock-Clarholz, um am Landesleistungsstützpunkt Rettungssport zu trainieren. Mit Disziplin, Spezialequipment und erfahrenen Trainern bereiten sich die jungen Athletinnen und Athleten auf Wettkämpfe auf höchstem Niveau vor.

Landesleistungsstützpunkt: Nachwuchskader aus ganz Westfalen kommen jede Woche nach Herzebrock

Landeskadersportler trainieren jede Woche am Landesleistungsstützpunkt

von Jürgen Wohlgemuth

„Heute ist die Farbe des Tages Orange“, sagt der Trainer und seine Schützlinge wissen Bescheid. Orange heißt: Heute kommt auch das Theraband zum Einsatz. „Das kleinste Trainingsgerät der Welt“, wie der Trainer gern wiederholt. Eben dieser Trainer ist Lothar Thorwesten, einer von drei Stützpunkttrainern, die jeden Mittwoch im Hallenbad in Herzebrock-Clarholz (Kreis Gütersloh) das Stützpunkttraining für die Landeskadersportler leiten. Und das beginnt jeden Mittwoch mit einem ausführlichen Aufwärmen im Aufenthaltsraum mit Blick auf das Schwimmbecken. Die 18 Sportlerinnen und Sportler haben ihre Aufgabenzettel dabei. 35 Übungen stehen darauf, untermalt mit vier Farben. Jede Woche sind die Übungen einer anderen Farbe an der Reihe. Orange heißt: 5 Minuten Seilchenspringen zum Erwärmen, Vier-Füßler-Stand mit dem Theraband und – ganz wichtig – 20 Wiederholungen der Außenrotation mit dem Theraband zur Kräftigung der Schulter. Wer viel schwimmt, kann leicht Schulterschmerzen bekommen, weiß Thorwesten. Deshalb wird er nicht müde, immer wieder auf die Bedeutung von Ausgleichsübungen hinzuweisen. Neben dem Landeskadertraining steht Lothar auch in der eigenen Ortsgruppe zweimal wöchentlich am Beckenrand.

Während die Sportler schon schwitzen, bevor das eigentliche Training beginnt, haben acht weitere Schwimmerinnen und Schwimmer ihre Einheit schon fast hinter sich. Die elf- bis 14-Jährigen haben auf einer der vier Bahnen 75 Minuten früher begonnen. Kai Woelke läuft am Beckenrand rauf und runter und korrigiert in den kurzen Pausen, die der Trainingsplan erlaubt: „Halte die Finger etwas enger zusammen.“, „Stoß dich kräftiger ab.“ Oder auch: „Beweg die Füße mehr unter als über Wasser!“ Der 47-Jährige hat vor ein paar Jahren seine C-Trainer-Lizenz Rettungssport beim Landesverband erworben. Seitdem engagiert sich Kai Woche für Woche für die jüngsten Nachwuchskader.

Während die älteren im Nebenraum zum Abschluss noch drei Sätze Burpees absolvieren, bereitet Juergen Wohlgemuth den anderen Teil des Schwimmbeckens vor. Denn nun endet der öffentliche Badebetrieb im Hallenbad. Juergen zieht zwei weitere Trennleinen ins Becken und holt die Materialwagen heran. In den rollenden Gitterboxen befinden sich unter anderem die Rettungspuppen und Gurtretter, die er heute benötigt.

Derweil atmet Greta etwas schneller und Henning rinnt der Schweiß über Stirn und Nacken, als sie mit den anderen ihre Gymnastikmatten zusammenrollen und ins Schwimmbad trotten. Aufwärmen geschafft. Die Matten werden zur Seite gestellt; nun holen sie Badekappen und Schwimmbrillen hervor. „Juergen, was brauchen wir heute?“ schallt es aus der Ecke, in der die Sportler ihre Taschen auf Stühlen und Tischen deponiert haben. Landestrainer Juergen antwortet schnell: „Wie immer: Gummiflossen, Wettkampfflossen, Schnorchel und Schwimmbrett.“

Auf Bahn 1 gibt es den fliegenden Wechsel: Die Schwimmer aus Kais Gruppe klettern erschöpft, aber zufrieden aus dem Becken. Und die nächsten Schwimmer legen ihr Equipment hinter dem Startblock bereit. „Wasserzeit ist kostbar“, treibt Lothar die Jugendlichen zur Eile an. Jeder weiß, wo er oder sie hingehört: Die 15- und 16-Jährigen trainieren bei Lothar auf den Bahnen 1 und 2; die 17- und 18-Jährigen mit Juergen auf den Bahnen 3 und 4. Hinter den Startblöcken herrscht das geordnete Chaos: Hier liegt ein bunter Haufen ebenso bunten Trainingsmaterials wild durcheinander. Dennoch: Zwischen Flossen, Seifendosen und Trinkflaschen weiß jeder, wem was gehört. „400 Meter beliebiges Einschwimmen, alle Lagen“, ruft Juergen. Nachdem er sich vergewissert hat, dass alle seine Sportlerinnen und Sportler im Wasser sind, spricht er sich noch schnell mit Kai Woelke ab. Wenn die eine Gruppe auf die nächste folgt, bleibt kaum Zeit zum Hallo sagen. Und doch tauschen sie sich kurz aus: „Mila hat wieder sehr gut mitgemacht. Phil ist nach der Verletzung wieder fit. Aus Jana kann noch richtig etwas werden“, fasst Kai schnell die wichtigsten Punkte zusammen. Auch die jüngeren Sportlerinnen und Sportler behält Juergen im Auge. Als leitender Landestrainer hat er gern den Überblick über alle Landeskader.

Währenddessen wird es auf den Bahnen 1 und 2 sehr ruhig. Kein Rufen, kein Planschen. Die Sportlerinnen und Sportler sind sehr konzentriert und damit beschäftigt, sich über Wasser zu halten. Denn während Trainer Lothar neben der großen Trainingsuhr die richtige Körperhaltung für diese Übung vormacht – er steht auf Zehenspitzen und streckt die Arme so weit über den Kopf wie es geht – bemühen sich die Jungs und Mädchen im drei Meter tiefen Wasser um die gleiche aufrechte Körperhaltung und -spannung. „Streamline“ nennt das Lothar. Nur die Füße mit den Gummiflossen bewegen sich vor und zurück und sorgen für den Auftrieb, um mit dem Kopf über Wasser zu bleiben. 30 Sekunden Wassertreten, 30 Sekunden Pause. Dreimal.

Für die zweite Trainingsgruppe stehen ebenfalls 75 Minuten Wasserzeit zur Verfügung. Woche für Woche kommen in der ersten Gruppe bis zu zehn, in der zweiten bis zu 22 Sportlerinnen und Sportler nach Herzebrock. Manche nehmen den 80- oder gar 110-Kilometer-Weg aus Wettringen oder Borken auf sich. „Aber das lohnt sich“, sagt Sandra. Sie schaut geduldig am Beckenrand zu, während ihre Kinder trainieren. „Hier können sie noch einmal von ganz anderen Trainern mit noch mehr Erfahrung profitieren als bei uns daheim.“ Lara schwimmt jede Woche mit, denn: „Bei uns in der Ortsgruppe schwimmen wir nur ganz selten mit Flossen oder Puppen.“ Und gerade das hat sich das Landestrainerteam auf die Fahnen geschrieben: Die Sportlerinnen und Sportler möglichst gut auf die Wettkampfdisziplinen vorbereiten, mit einem Schwerpunkt auf den rettungssportspezifischen Techniken. Das zahlt sich aus. 2025 stellte der LV Westfalen deutschlandweit die besten Junioren-Mannschaft beim Vergleichswettkampf aller Landesverbände, dem Junioren-Rettungspokal. Damit das auch 2026 wieder gelingt, wird weiter fleißig trainiert. Auch nächsten Mittwoch.

von Jürgen Wohlgemuth