Verfassungsschutzbericht 2025: Extremismus nimmt zu, KI verschärft Bedrohungslage | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Der neue Verfassungsschutzbericht zeigt: Extremistische Szenen wachsen, politisch motivierte Straftaten erreichen einen Höchststand. Zugleich nehmen Spionage und Cyberangriffe aus dem Ausland zu. Künstliche Intelligenz eröffnet neue Täuschungsmöglichkeiten und setzt die Demokratie zusätzlich unter Druck.

Verfassungsschutzbericht 2025: Extremismus nimmt zu, KI verschärft Bedrohungslage

Verfassungsschutzbericht 2025: Extremistische Szenen wachsen, künstliche Intelligenz setzt unsere Demokratie unter Druck

Das Ministerium des Innern teilt mit: Der Verfassungsschutzbericht ist der jährliche Gefahrenatlas für unsere Demokratie. Auf rund 400 Seiten zeigt er, wo unsere freiheitliche demokratische Grundordnung angegriffen wird und wo sie besser geschützt werden muss. Am Donnerstag, 16. April 2026, haben Innenminister Herbert Reul und der Leiter des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Jürgen Kayser, den Bericht für das Jahr 2025 vorgestellt.

Daraus geht hervor, dass Extremismus sowie Spionage und Cyberangriffe aus dem Ausland weiterhin zu den größten Bedrohungen für das demokratische Zusammenleben gehören. Bilder und Videos, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt werden, eröffnen dabei neue Möglichkeiten für Extremisten. Die politisch motivierte Kriminalität hat mit rund 13.600 Taten einen erneuten Höchststand erreicht. Zugleich ist die Zahl der Extremisten weiter gestiegen.

Statement von Minister Herbert Reul

„Für 2025 gibt es keine Entwarnung. Extremisten und ausländische Dienste machen keine Pause. Die Gefahren haben sich auf hohem Niveau verfestigt. Wir zählen in Nordrhein-Westfalen so viele Verfassungsfeinde wie nie zuvor. Immer mehr Menschen verabschieden sich von unseren gemeinsamen Regeln und laufen menschenfeindlichen Ideologien hinterher.

Künstliche Intelligenz verschärft die Lage. Deepfakes können täuschen, die demokratische Meinungsbildung beeinflussen und Vertrauen in staatliche Stellen und Medien untergraben. Darauf müssen wir als demokratischer Rechtsstaat eine klare Antwort geben. Mit starken Sicherheitsbehörden, klaren Regeln und einer Gesellschaft, die hinschaut und widerspricht.“

Politisch motivierte Kriminalität

2025 wurden in Nordrhein-Westfalen 13.645 politisch motivierte Straftaten erfasst. Damit sind Taten gemeint, bei denen die Auswahl des Opfers oder die Tatmotivation erkennen lässt, dass sie sich gegen bestimmte Gruppen, politische Gegner oder die demokratische Ordnung richten. Gegenüber 10.772 Taten im Jahr 2024 entspricht dies einer Zunahme von rund 27 Prozent.

  • 508 Gewalttaten (2024: 419)

  • 2.418 Straftaten im Bereich Linksextremismus (2024: 1.187)

  • 6.268 Straftaten im Bereich Rechtsextremismus (2024: 5.641)

  • 928 Taten mit ausländischer Ideologie (2024: 1.093)

  • 294 Taten mit religiöser Ideologie (2024: 326), darunter zwei islamistisch motivierte Anschläge

  • 3.737 Taten im Bereich „sonstige Zuordnung“ (2024: 2.525)

Zudem wurden 786 antisemitische Straftaten registriert (2024: 695) – ein erneuter Höchststand.

Personenpotenzial

Parallel zu den Straftaten ist 2025 in allen Phänomenbereichen das extremistische Personenpotenzial gestiegen:

  • Rechtsextremismus: rund 4.500 Personen, davon ca. 1.800 gewaltorientiert

  • Linksextremismus: rund 3.300 Personen

  • Islamismus: rund 4.100 Personen

Herausforderungen durch Extremismus, Spionage und KI

Der Bericht zeigt, dass Extremismus – insbesondere Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus – weiterhin eine erhebliche Gefahr für die freiheitliche demokratische Grundordnung darstellt.

Zugleich nehmen Spionage, hybride Angriffe und Cyberattacken aus dem Ausland zu, vor allem aus Russland, China und Iran. Ziele sind Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und kritische Infrastrukturen.

Auch sogenannte „Low Level Agents“, die über soziale Medien angeworben werden und einfache Beobachtungs- oder Botendienste übernehmen, spielen eine zunehmende Rolle.

Ein besonderer Schwerpunkt des Berichts ist der Einsatz künstlicher Intelligenz durch Extremisten und ausländische Nachrichtendienste.

Moderner Verfassungsschutz und wehrhafte Demokratie

Mit dem zum 1. April 2026 in Kraft getretenen neuen Verfassungsschutzgesetz Nordrhein-Westfalen wurden die rechtlichen Grundlagen an die veränderte Bedrohungslage angepasst. Der Verfassungsschutz kann damit Gefahren früher erkennen, extremistisches Treiben schneller einordnen und Spionage sowie Cyberangriffe gezielter bekämpfen.

Neben der operativen Arbeit setzt der Verfassungsschutz verstärkt auf Prävention:

  • Informationsangebote

  • Schulmodule

  • Online-Offensive „Auf dem Radar“

  • Serious Game „Wer ist Bilal?“

  • zielgruppengerechte Ansprache in sozialen Medien

Mehr Informationen: www.im.nrw/verfassungsschutz