Kriminalstatistik 2025: Polizei zieht Jahresbilanz
Die Kriminalität im Kreis Gütersloh ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Das gaben Landrätin Ina Laukötter, der Leitende Polizeidirektor Holger Meier, Helge Storck von der Führungsstelle Kriminalität sowie Kriminaldirektor Marco Krause heute Mittag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 bekannt. Bereits am Morgen waren die landesweiten Zahlen präsentiert worden. Laukötter betonte, wie wichtig ihr die positive Entwicklung sei: „Bürger und Bürgerinnen im Kreis Gütersloh können sich sicher fühlen, die Straftaten sind im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen.“
Insgesamt registrierte die Polizei 2025 18.547 Straftaten, von denen 10.386 aufgeklärt werden konnten. Die Aufklärungsquote von 56 % liegt damit über dem Landesdurchschnitt von 53,69 % und im oberen Drittel Nordrhein-Westfalens. Die Verantwortlichen wiesen darauf hin, dass die Quoten je nach Deliktart stark variieren.
In Herzebrock-Clarholz sank die Zahl der Straftaten von 572 auf 561. Die Aufklärungsquote ging jedoch von 58,22 % auf 46,52 % zurück. Krause führte dies auf infrastrukturelle Veränderungen und eine veränderte Tatstruktur zurück. Betrachtet man die Häufigkeitszahlen pro 100.000 Einwohner, gehört Herzebrock-Clarholz dennoch zu den sichersten Kommunen im Kreis: Mit 3.417 Fällen liegt die Gemeinde hinter Verl und Langenberg auf Platz drei. Zum Vergleich: In der Stadt Gütersloh liegt die Häufigkeitszahl bei 7.475, in Rheda-Wiedenbrück bei 6.017, der NRW-Durchschnitt bei 7.524. Meier betonte, diese Tatgelegenheitsstrukturen seien ein verlässlicher Sicherheitsindikator.
Deutlich angestiegen sind die Wohnungseinbrüche im Kreis: 2025 wurden 267 Fälle registriert, die Aufklärungsquote sank auf 13,11 % (Vorjahr: 23,05 %). Krause erklärte, dass Ermittlungen in überregionalen Tatserien viel Zeit binden und Personal in anderen Bereichen benötigt werde. Hier müsse die Personalstruktur verbessert werden.
Bei den Fahrraddiebstählen zeigt sich eine stabile Entwicklung. In Herzebrock-Clarholz wurden 26 Fälle gemeldet, die kreisweite Aufklärungsquote liegt bei 11,94 %. Meier verwies darauf, dass die hohe Zahl auch mit der intensiven Fahrradnutzung in der Region zusammenhänge – „vergleichbar mit Münster oder Warendorf“. Die Polizei empfiehlt, Fahrgestellnummern zu registrieren, um gestohlene Räder überregional besser zuordnen zu können.
Die Körperverletzungsdelikte blieben stabil. 2025 wurden 2.020 Fälle erfasst, die Aufklärungsquote liegt bei 90,45 %. Täter und Opfer kennen sich häufig, weshalb die Ermittlungen meist erfolgreich verlaufen. Rückläufig ist die Straßenkriminalität: Sie sank von 3.999 Fällen im Jahr 2024 auf 3.799 Fälle im Jahr 2025. Meier führte dies auf gezielte Präsenzmaßnahmen in Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Halle, verbesserte Sicherheitskonzepte bei Veranstaltungen zurück. Auch bei Messertaten sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen. „Im Kreis Gütersloh lebt man sicher – und diesen Trend wollen wir verstetigen“, so Meier.
In kleineren Orten wie Herzebrock-Clarholz spielt die informelle soziale Kontrolle eine spürbare Rolle für die Sicherheitslage. Die Menschen kennen sich, achten stärker aufeinander und reagieren sensibel auf Ungewöhnliches – etwa fremde Kennzeichen in der Nachbarschaft oder auffällige Bewegungen im Wohnumfeld. Dieses alltägliche, nicht institutionalisierte „Hinschauen“ wirkt wie ein zusätzlicher Schutzfaktor, der Kriminalität erschwert und das Sicherheitsgefühl stärkt. Polizeidirektor Holger Meier betonte, dass diese Form der sozialen Aufmerksamkeit ein wesentlicher Grund dafür sei, dass die Straßenkriminalität in kleineren Gemeinden traditionell niedriger ausfällt als in größeren Städten, in denen Anonymität und hohe Fluktuation Tatgelegenheiten begünstigen
Deutlich gestiegen sind die Sexualstraftaten: 2025 wurden 608 Fälle registriert, ein Anstieg um 27 %. Die Aufklärungsquote liegt bei 90,79 %. Krause betonte, dass der Anstieg auf eine Enttabuisierung zurückzuführen sei: „Es ist kein Anstieg der Taten, sondern eine Verringerung der Dunkelziffer“. Auch die gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt nahm zu – von 800 auf 876 Fälle. In 423 Fällen wurde ein Rückkehrverbot oder eine Wohnungsverweisung ausgesprochen, um Opfern Schutz und Zeit für weitere Schritte zu geben.
Die Betrugsdelikte stiegen von 2.224 auf 2.481 Fälle. Gründe sind eine höhere Anzeigebereitschaft und die Zunahme digitaler Betrugsformen wie Phishing, Quishing oder Zahlungskriminalität. Ab September soll im Kreis Gütersloh eine neue Betrugskommission mit 14 Polizeibeamten und drei Regierungsbeschäftigten eingerichtet werden.
Bei Betrugsdelikten zum Nachteil älterer Menschen zeigen Präventionskampagnen Wirkung: Von 376 bekannt gewordenen Fällen wurden vergangenes Jahr 29 vollendet, der Schaden lag bei 836.017 Euro. Die Fälle haben sich in den vergangenen Jahren nahezu halbiert. Die älteren Menschen seien besser informiert und die Banken helfen mit.
Zum 31.12.2024 lebten im Kreis Gütersloh 363.982 Menschen, davon 55.180 ohne deutschen Pass (15,16 %). Sie stellen 39,81 % der Tatverdächtigen, bei Straßenkriminalität 41,46 % und bei Diebstahldelikten 60,47 %.
Die Kriminalstatistik 2025 zeigt insgesamt ein stabiles Sicherheitsniveau im Kreis Gütersloh, auch wenn einzelne Deliktbereiche deutlich an Dynamik gewonnen haben. Während klassische Straßenkriminalität rückläufig ist und die Aufklärungsquote über dem Landesschnitt liegt, steigen Sexualdelikte, häusliche Gewalt und Betrugsfälle spürbar an. Die Polizei reagiert mit gezielter Präsenz, strukturellen Anpassungen und dem Ausbau spezialisierter Einheiten. Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen, wie stark gesellschaftliche Entwicklungen, digitale Tatgelegenheiten und veränderte Anzeigeverhalten die Kriminalitätslage beeinflussen. Insgesamt bleibt der Kreis ein vergleichsweise sicherer Raum, steht jedoch vor der Aufgabe, neue Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und konsequent zu adressieren.