Mehrgenerationenspielplatz beschlossen: Förderung macht Weg frei für das Projekt hinter dem Hallenbad | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Die Diskussion um den Mehrgenerationenspielplatz hinter dem Hallenbad hat im Ausschuss für Jugend-, Familien-, Senioren- und Soziales für deutliche Worte gesorgt. Erst die Aussicht auf eine vollständige Förderung über ISEK und Bundesmittel brachte Bewegung in die Debatte und veränderte die Bewertung des Projekts spürbar.

Mehrgenerationenspielplatz beschlossen: Förderung macht Weg frei für das Projekt hinter dem Hallenbad

Mehrgenerationenspielplatz hinter dem Hallenbad: Ausschuss diskutiert, Förderung sorgt für Wendung

Der Ausschuss für Jugend-, Familien-, Senioren- und Soziales hat in seiner gestrigen Sitzung das neue Spielplatzkonzept vorgestellt. Das Konzept soll künftig als fachliche Grundlage dienen, um die Qualität und Weiterentwicklung der Spielplätze im Gemeindegebiet zu steuern. Es definiert grundlegende Standards wie Erreichbarkeit, Beschattung, Sitzgelegenheiten und inklusive Nutzung. Über konkrete Standorte oder mögliche Veränderungen wurde an diesem Abend nicht entschieden.

Planungsbüro präsentiert Generationenprojekt

Deutlich intensiver wurde die geplante Aufwertung der großen Spielfläche hinter dem Hallenbad diskutiert. Die Planung wurde von Bianca Kropp vom Planungsbüro Wolf vorgestellt, die den Projektverlauf, die bisherigen Beteiligungsformate und die gestalterischen Schwerpunkte erläuterte. Die Fläche soll zu einem generationenübergreifenden Bewegungs- und Aufenthaltsort weiterentwickelt werden, der Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen attraktive Angebote bietet. Dazu gehören ein umlaufender Bewegungsweg, verschiedene Spiel- und Matschbereiche, eine Calisthenics-Anlage, eine Seilbahn, neue Aufenthaltsflächen sowie ein grünes Klassenzimmer mit Grillplatz. Auch ein Trinkwasserbrunnen und der Erhalt der großen Bestandsgehölze sind Teil der Planung, um die Fläche in heißen Sommermonaten nutzbar zu halten.

Die ursprüngliche Kostenschätzung lag bei rund 950.000 Euro. In zwei Einsparrunden konnten über 210.000 Euro reduziert werden, indem unter anderem auf eine vollständige Erneuerung der Beachvolleyballfelder verzichtet wurde, vorhandene Geräte versetzt statt neu angeschafft werden und die Beleuchtung auf das notwendige Maß reduziert wurde. Nach diesen Anpassungen belaufen sich die aktuellen Baukosten auf rund 737.000 Euro brutto.

Kontroverse im Ausschuss: Luxusprojekt oder notwendige Investition?

Im Ausschuss prallten unterschiedliche Positionen aufeinander. CDU‑Vertreter Christoph Laukötter äußerte deutliche Kritik und sagte: „Wir müssen dieses Projekt da rausnehmen. Ich sehe eine Investition in dieser Höhe als äußerst kritisch. Das ist ein Luxusprojekt.“

Bürgermeister Marco Diethelm widersprach entschieden: „Ich brenne für dieses Thema des Mehrgenerationenspielplatzes. Ich will nicht zuerst bei den Kindern und Jugendlichen sparen.“ Er ergänzte zudem: „Der Haushalt der Gemeinde ist aufgrund von Finanzlasten in Schieflage und nicht aufgrund von Investitionen.“ Damit meinte Diethelm insbesondere die stark gestiegenen Pflichtausgaben der Kommune, darunter höhere Kreisumlagen, steigende Kosten in der Jugendhilfe, zusätzliche Belastungen durch gesetzliche Vorgaben sowie strukturelle Mehrausgaben, die die Gemeinde nicht beeinflussen kann. Diese Faktoren würden den Haushalt belasten – nicht Projekte, die in die Zukunft der Gemeinde investieren.

Auch aus den anderen Fraktionen kamen klare Positionierungen. Petra Lakebrink von den Grünen stellte fest: „Das ist bestimmt kein Luxusprojekt.“ Reyna Baum von der UWG betonte: „Das ist nicht nur ein Spielplatz für Kinder, sondern für die ganze Familie.“ Gisela Ginten-Hoffmann von der CDU hob hervor, wie wichtig es sei, Familien mit besonderen Herausforderungen mitzudenken und sichtbar zu machen.

Finanzielle Lage der Gemeinde: Prüfung aller Ausgaben

In der Diskussion wurde auch die angespannte Haushaltslage der Gemeinde thematisiert. Herzebrock‑Clarholz überprüft derzeit sämtliche Ausgaben auf ihre Notwendigkeit. Vor diesem Hintergrund wurde die Investition besonders kritisch betrachtet. Die Frage, ob ein solches Projekt in Zeiten knapper Mittel vertretbar sei, spielte eine zentrale Rolle.

Wendepunkt durch neue Förderkulisse

Ein spürbarer Stimmungsumschwung entstand, als die Verwaltung eine neue Information zur Finanzierung vorlegte. Die erste Hälfte der Kosten wird über das ISEK-Verfahren des Landes NRW gefördert, die zweite Hälfte kann nun ebenfalls über ein Bundesprogramm finanziert werden. Damit ist eine vollständige Förderung möglich, auch wenn es sich weiterhin um Steuergelder handelt. In einer Zeit, in der die Gemeinde jede Ausgabe hinterfragt, wirft die mögliche Vollförderung ein anderes Licht auf das Projekt und nimmt der Investitionshöhe einen Großteil ihrer Belastung für den Haushalt.

Abstimmung: Mehrheit für das Projekt

Am Ende der Sitzung stimmte der Ausschuss über die Maßnahme ab. Elf Mitglieder votierten dafür, eine Stimme aus der CDU und eine Stimme aus der FDP lehnten das Projekt ab.

Im Zuge der Diskussion über die zukünftige Spielplatzlandschaft erinnerte die Verwaltung daran, dass drei seit Jahren nicht mehr aktiv genutzte Spielflächen dem Liegenschaftsausschuss zur Prüfung übergeben wurden. Dabei handelt es sich um die Standorte Knechtsteder Weg, Hegelweg / Am Hanewinkel sowie die Beethovenstraße. Der Ausschuss möchte klären lassen, ob diese Grundstücke perspektivisch mit dem Neubaugebiet veräußert werden können. Die Prüfung erfolgt unabhängig vom Generationenspielplatz hinter dem Hallenbad und soll eine langfristig tragfähige Flächenstrategie ermöglichen.

Im Zusammenhang mit der zukünftigen Spielplatzentwicklung erinnerte die Verwaltung daran, dass die Schließung des Spielplatzes an der Kolpingstraße bereits im Mai des vergangenen Jahres beschlossen wurde. Die dortigen Spielgeräte sollen nicht entsorgt, sondern für den neuen Mehrgenerationenspielplatz hinter dem Hallenbad weiterverwendet werden. Das Grundstück selbst soll vorerst nicht veräußert werden, sondern in kommunaler Hand bleiben, bis über eine mögliche spätere Nutzung entschieden wird.

Fazit und Ausblick

Das Planungsbüro rechnet mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr. Die Ausschreibungen sollen in Kürze starten, damit die Umgestaltung schnellstmöglich beginnen kann und die Arbeiten idealerweise im kommenden Sommer anlaufen.

Die Diskussion im Ausschuss hat gezeigt, wie stark das Projekt zwischen finanzieller Verantwortung und dem Anspruch an moderne, inklusive Freizeitflächen steht. Mit der nun möglichen vollständigen Förderung verändert sich die Bewertung deutlich: Aus einer umstrittenen Investition wird eine realistische Chance, das Quartier hinter dem Hallenbad nachhaltig aufzuwerten. Der Mehrgenerationenspielplatz gilt damit nicht mehr nur als Vision, sondern als konkret umsetzbares Zukunftsprojekt für Herzebrock‑Clarholz.