Plattdeutscher Krink feiert Grünkohlabend mit Geschichten und Musik | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Beim traditionellen Grünkohlessen des Plattdeutschen Krinks kamen rund 90 Freunde der plattdeutschen Sprache in Beelen zusammen. Geschichten, Musik, Humor und ein deftiges westfälisches Menü sorgten für einen lebendigen Abend voller Heimatgefühl und guter Laune.

Plattdeutscher Krink feiert Grünkohlabend mit Geschichten und Musik

Traditionelles Grünkohlessen des Plattdeutschen Krinks

von Martha Wiemer

Im Jahr 2024 konnte der Plattdeutsche Krink auf sein 40‑jähriges Bestehen zurückblicken. Ein besonderer Höhepunkt in all den Jahren war dabei das traditionelle Grünkohlessen, das in diesem Jahr erstmals in Beelen in der Gaststätte „Zum Holtbaum“ stattgefunden hat. Rund neunzig Freunde der plattdeutschen Sprache sowie Liebhaber des typisch westfälischen Wintergemüses waren der Einladung gefolgt.

Heinz‑Georg Populoh, Sprecher des Krinks, begrüßte die Anwesenden mit einem herzlichen plattdeutschen „Glücksielich Niejoahr“. Anschließend wurde gemeinsam das Krink‑Lied angestimmt, musikalisch begleitet von Franz‑Josef Kemper. Für die nötige Textsicherheit sorgten die ausgelegten Liedblätter.

Es folgte eine plattdeutsche Geschichte von Heinz‑Georg Populoh über den Dreikönigstag – aus einer Zeit, in der die Messe noch in lateinischer Sprache abgehalten wurde und Weihrauch sowohl schwer zu bekommen als auch teuer war. Anschließend wusste Heinrich Klasmann Wissenswertes über die westfälischen Töttchen zu berichten, die zu Zeiten, als die Speisekarte bei Bakenfelder lediglich Ölsardinen und bei Huckenbeck Heißwürstchen hergab, nach Hochzeiten im Saal Huckenbeck zu den kulinarischen Höhepunkten im Ort zählten.

Auch der Grünkohl selbst gab Anlass zu Fragen. Warum das beliebte Wintergemüse im Plattdeutschen auch Maus, Mous oder Mus genannt wird, ließ sich nicht eindeutig klären. Regional gibt es jedoch viele Bezeichnungen: In der Ecke Oldenburg/Bremen heißt es „Gröönkohl mit Pinkel“, in Wadersloh spricht man von „Brounmaus“ oder Braunkohl, und in den Niederlanden ist das Gemüse als „Boerenkool“ – Bauernkohl – bekannt.

Dann hieß es – zunächst musikalisch – „Oh Mausgemöus, oh Mausgemöus, wat bis du’n lecker Iärten“. Spätestens jetzt war die Vorfreude auf den kulinarischen Höhepunkt des Abends nicht mehr zu übersehen. Grünkohl, Mettendchen, Kassler, frische Bratwurst, krosse Bratkartoffeln sowie die dazugehörige Portion Senf ließen keine Wünsche offen und brachten der Küche und dem Service ein großes Lob ein.

Gleich im Anschluss folgte eine durchaus plausible Erklärung für die früher üblichen Tischgebete: „Bei der langen Warterei konnte einem schon mal dat verdauungsfördernde Water im Mund tosammen lopen.“

Zum immer wieder aktuellen Thema Bahnübergang Letter Straße – „ein Stück aus dem Tollhaus“ aus Sicht von Ortsvorsteher Franz‑Josef Tegelkamp – trug dieser eine dazu passende Erzählung der unvergessenen Else Wöstheinrich vor. Diese wusste zu berichten, dass über die im Jahr 1887 in Betrieb genommene Eisenbahnlinie Münster–Rhaie–Lippstadt nicht nur Tiere, Saatgut und Eier transportiert wurden, sondern dass von hier aus auch die Cordes‑Waschmaschinen ihren Weg in die weite Welt fanden.

Es folgte eine Reihe weiterer lustiger Geschichten, in denen die Menschen mit all ihren Eigenarten liebevoll auf die Schippe genommen wurden. Schnell brachten Elisabeth Feldmann, Heinz Klasmann, Franz‑Josef Tegelkamp sowie Heinz‑Georg Populoh Stimmung in den Saal. Mit teilweise albernen, derben, aber auch nachdenkenswerten Anekdoten unterhielten sie das der plattdeutschen Sprache mächtige Publikum aufs Beste.

Als Gast bereicherte Uwe Rhebaum den Abend mit weiteren Geschichten und lieferte schließlich auch eine Erklärung für die eher seltsamen Schwimmübungen eines Pastors: „Eine falsche Handbewegung – und der ganze Teich ist Weihwasser.“

Zum Ende der Veranstaltung gab Heinz‑Georg Populoh allen Gästen ein herzliches „Bleibt gesund“ mit auf den Heimweg. Ebenso bedankte er sich bei Franz‑Josef Kemper für dessen musikalische Begleitung des Abends mit den Worten: „So leicht ist es nicht, Musik zu machen – dat Akkordeon wiegt immerhin fiefteihn Kilo.“

Das nächste Treffen des Plattdeutschen Krinks findet am 12. Februar 2026 um 15 Uhr im Konventhaus Clarholz statt.