Landtagswahl: Kandidat:innen-Befragung zum Thema Pflege

Im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl am 15. Mai 2022 wollen wir Euch über die Standpunkte der Kandidat:innen zu verschiedenen Themen informieren.

Landtagswahl: Kandidat:innen-Befragung zum Thema Pflege

Auf Herzeblog.de möchten wir Euch Kandidat:innen vorstellen, die in unserem Wahlkreis (Gütersloh II) auf dem Stimmzettel stehen. Wir haben sie zu sechs großen Themenfeldern befragt: Wohnraum, Pflege, Klimaschutz, Bildung, Einzelhandel und Sonstiges.

Heute geht es mit dem Thema Pflege weiter:

2. Corona hat es noch mehr gezeigt: Wie wollen Sie dem Fachkräftemangel in der Pflege und im Gesundheitssystem begegnen? Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Stefan Schneidt, SPD: Als Sohn einer Krankenschwester sind mir die Schwächen des Gesundheitswesens nicht neu. Die Pandemie hat die Schwachstellen nur noch einmal gnadenlos aufgezeigt. Wir müssen Personal, welches in andere Berufe geflüchtet ist, mit attraktiven Arbeitsbedingungen zurückholen. Ich möchte nicht nur den Fachkräftemangel in der Pflege angehen, sondern auch pflegende Angehörige entlasten, z.B. durch die Streichung des Beitragszuschlags. Die Veränderungen, die wir benötigen, sind enorm. Klatschen reicht nicht. Der Kreis Gütersloh hat einen Mangel an Hausärzten und Kinder- und Jugendpsychiatern.
Noch in diesem Jahr müssen wir mehr Studienplätze im Gesundheitsbereich anbieten, unabhängig vom NC, aber mit einer Verpflichtung, in den ersten Jahren im ländlichen Raum tätig zu sein.

Raphael Tigges, CDU: Immer mehr Menschen werden immer älter und benötigen eine qualitativ gute und menschliche Pflege. Um die Ausbildung in Gesundheitsfachberufen attraktiver zu machen, übernimmt das Land seit 2021 das Schulgeld für Auszubildende. Auch ein Fonds in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zur Finanzierung der Pflegeausbildung wurde eingerichtet.
Um den Fachkräftemangel in der Pflege und generell im Gesundheitssystem zu begegnen, haben wir die Berufsanerkennung für ausländische Ärzte und Ärztinnen sowie für Pflegekräfte verbessert. Eine gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte wird bei der Auflösung des Fachkräftemangels ein wichtiger Baustein sein. Die Rahmenbedingungen für Hebammen und Entbindungshelfer müssen noch weiter gestärt werden, weshalb die Berufs- und Ausbildungsbedingungen verbessert werden müssen.
Auch die Angehörigen und Familien gilt es bei der Pflege weiter zu unterstützen. Damit die Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit gestärkt wird, setzen wir als CDU uns für flexiblere Arbeitszeiten für pflegende Angehörige und eine an der Elternzeit orientierte Pflegezeit ein.

Wibke Brehms, Bündnis 90 / Die Grünen: Wir GRÜNE setzen uns für eine starke Pflege ein. Dazu gehört auch, Pflege zuhause zu ermöglichen. Viele Menschen möchten auch im Alter selbstbestimmt leben und trotzdem gut versorgt sein. Dazu müssen Wohnungen barrierefrei sein. Geschäfte, Arztpraxen und grüne Oasen müssen zu Fuß oder mit dem Rollstuhl erreichbar sein. Und Mobilitätsangebote müssen auch im ländlichen Raum inklusiv gestaltet werden. Statt die Pflege in Großheimen auszubauen, setzten wir auf ein umfassendes Pflegeangebot und neue Versorgungsformen im Quartier. Wir kombinieren den Ausbau der ambulanten Pflege sowie der Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege mit Nachbarschaftszentren, um die Pflege rund um die Uhr abzusichern und Angehörige zu entlasten.
Wer sich dazu entscheidet, in einem Pflegeberuf zu arbeiten, hat meine größte Anerkennung. Nur wenn wir jede Entscheidung danach ausrichten, Pflege- und Gesundheitspersonal wertzuschätzen, kann es uns langfristig gelingen, den Fachkräftemangel zu beheben. Auch wenn viele Menschen nicht wegen des Geldes in der Pflege tätig sind, drückt sich die Anerkennung auch durch die Bezahlung aus. Deswegen stehe ich dafür ein, dass Pflegekräfte angemessen bezahlt werden.
Zudem müssen sich die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen verbessern. Gute Pflege gelingt nur mit gut qualifiziertem Personal, anständigen Arbeitsbedingungen und mit verbessertem Personalschlüssel für alle Berufsgruppen in der Pflege, Hauswirtschaft und im Sozialen Dienst. Wir müssen die Zahl der Ausbildungsplätze für Fach- und Assistenzkräfte weiter ausbauen.

Daniel Loermann, FDP: Der Fachkräftemangel gerade im Gesundheitswesen – nicht nur in der Pflege - treibt mich als selbstständiger Zahnarzt seit Jahren um und ist auch ein Grund für mein politisches Engagement. Mit der Gründung der neuen medizinischen Fakultät in OWL, der Landarztquote und der Erleichterung des Quereinstiegs für Krankenhausärzte in die Allgemeinmedizin hat die FDP schon viel erreicht für die ärztliche Versorgung auf dem Land. Auch bei Investitionen in Krankenhäuser hat die jetzige Landesregierung 2 Milliarden Euro mehr zur Verfügung gestellt als Rot-Grün zuvor. Genauso wurde die Schulgeldfreiheit für Gesundheitsberufe wie der Physiotherapie durchgesetzt.
Wir wollen die Krankenhausrahmenplanung vor Ort umsetzen, gezielte Investitionsförderung betreiben und setzen gerade bei uns im ländlichen Raum auf die Stärkung der hausärztlichen Versorgung. Deswegen kämpfe ich gerade hier in unserem Kreis für ein Famulatur- und PJ-Stipendium für Medizinstudentinnen und Medizinstudenten, bei denen wir einen „Klebeeffekt“ in unserer Region erreichen wollen.
Wir treten auch dafür ein, die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung, sowie Telematik-Anwendung, noch besser zu nutzen. Der Ausbau des Erfolgsmodells Virtuelles Krankenhaus, diagnostischer Einsatz von künstlicher Intelligenz, robotische Assistenzsysteme in Pflege und Operation und die digitale Vernetzung von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern eröffnen uns gerade in ländlichen Regionen Chancen zu einer besseren Versorgung der Patienten und einer Entlastung der Beschäftigten im Gesundheitswesen, vor allem der Pflegerinnen und Pfleger, die nicht erst seit der Pandemie eine vernünftige Work-Life-Balance verdienen.

Weitere Themen (Veröffentlichungen folgen):

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung einen Wahl-O-Mat erstellt. Über die Beantwortung von 38 Thesen erfährt man, welcher Partei man inhaltlich am nächsten steht.

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