Landtagswahl: Kandidat:innen-Befragung zum Thema Bildung

Im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl am 15. Mai 2022 wollen wir Euch über die Standpunkte der Kandidat:innen zu verschiedenen Themen informieren.

Landtagswahl: Kandidat:innen-Befragung zum Thema Bildung

Auf Herzeblog.de möchten wir Euch Kandidat:innen vorstellen, die in unserem Wahlkreis (Gütersloh II) auf dem Stimmzettel stehen. Wir haben sie zu sechs großen Themenfeldern befragt: Wohnraum, Pflege, Klimaschutz, Bildung, Einzelhandel und Sonstiges.

Heute geht es mit dem Thema Bildung weiter:

Corona hat die Digitalisierung voran getrieben. Wie hat sich das Bildungssystem in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht in NRW bewährt? Wo sehen Sie Potential/Handlungsbedarf?

Wibke Brehms, Bündnis 90 / Die Grünen: Durch die Pandemie sind wir zwar bei der Digitalisierung der Schulen in NRW ein ganzes Stück voran gekommen. Aber nach der Hau-Ruck-Aktion muss nun die Verstetigung kommen. Wir brauchen an jeder Schule IT-Personal, das sich um die Wartung der Geräte kümmert. Und iPads dürfen nicht einfach Arbeitsblätter ersetzen. Stattdessen müssen wir Lehrkräfte darin unterstützen, neue digitale Lernformate auszuprobieren und die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.Aber auch in anderen Bereichen der Schulpolitik muss NRW seine Hausaufgaben machen:Selbst in der Corona-Zeit wird sich viel zu starr an Noten und die reine Wissensvermittlung geklammert. Wir sollten stattdessen mehr in den Blick nehmen, was Lernende motiviert und was sie brauchen. Wie schön wäre es, wenn Kinder und Jugendliche ihr Stärken entfalten könnten – unabhängig vom Elternhaus? Wie schön wäre es, wenn Schülerinnen und Schüler in gemütlichen Klassenräumen lernen dürften – ganz egal, in welchem Stadtteil sie wohnen? Wie schön wäre es, wenn junge Erwachsene garantiert einen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommen würden – ohne Leistungsdruck? Vielleicht fangen dann ja auch wieder mehr junge Menschen eine Ausbildung an.Um das zu erreichen, müssen wir uns mächtig ins Zeug legen. Das Land muss jetzt das Geld in die Hand nehmen für zusätzliche Lehrkräfte, Psycholog*innen und Schulsozialarbeiter*innen. Vor allem in Schulen an schwierigen Standorten müssen wir Schüler*innen besser unterstützen.Das reicht mir aber nicht. Wir müssen auch mehr Kita-Plätze schaffen, Kita-Fachkräfte besser entlohnen und die Beiträge für Kitas und offene Ganztagsschulen einheitlich gestalten. Das ist nur gerecht und sichert die Qualität der Erziehung.

Daniel Loermann, FDP: Corona mag die Digitalisierung im Bildungsbereich vielleicht schon ein Stück weit vorangetrieben haben, aber den Weg sehe ich noch lange nicht als abgeschlossen an. Deswegen war es richtig die Schulen, so gut es vertretbar war, offen zu halten. Bildung muss noch digitaler werden, weswegen wir fordern, dass für jedes Kind ein Tablet oder Laptop da sein muss. Das Lernen von heute schließt aber nicht nur die Geräte mit ein, sondern auch das Verständnis. Mit der Einführung des Pflichtfachs Informatik ist die Basis für unsere Vision geschaffen, dass am Ende der Schulzeit jede Schülerin und jeder Schüler einmal eine App programmiert hat. Auch die Einführung des Fachs Wirtschaft bringt das Lernen näher an die Anforderungen des Alltags heran.
Für mich ist Bildung vor allem eine Aufstiegschance. Deswegen möchte ich, dass wir das Konzept unserer 60 Talentschulen in NRW auf 1000 ausbauen. Dabei will ich mich dafür einsetzen, dass wir in Gütersloh, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz mindestens 2 Talentschulen bekommen, denn auch bei uns werden Talentscouts fündig! Genauso wichtig ist es, weiterhin den Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf die freie Wahl zu ermöglichen, zwischen Förderschulen oder den allgemeinbildenden Schulformen zu entscheiden. Ein ideologiefreies Schulsystem ist zukunftsfähiger als erzwungene Inklusion!
Handlungsbedarf sehe ich darüber hinaus in der beruflichen Bildung. Für uns als Region des mittelständischen Handwerks ist es wichtig, dass wir jede Schulform und jeden Ausbildungsweg fördern. Nehmen wir uns ein Beispiel an der Schweiz! Auch bei uns muss gelten: Ein Meister muss so viel wert sein wie ein Master!

Stefan Schneidt, SPD: Die aktuelle Landesregierung hat nicht mit einer guten Test- und Kommunikationsstrategie gepunktet. Das hat viele Beteiligte verärgert. In NRW sind über 20% der Minderjährigen armutsgefährdet. Die Corona-Pandemie und die fehlende digitale Ausstattung haben Ungerechtigkeiten verstärkt. Für mich ist klar, dass Bildung endlich kostenlos sein muss, von der Kita bis zum Meisterabschluss. Die Herausforderungen im Bildungssektor, die vor uns liegen, sind gewaltig, aber müssen endlich angegangen werden. Nur so können wir langfristig endlich gleiche Bildungs- und Berufschancen ermöglichen. Das erreichen wir nur, wenn die digitale Ausstattung mit Endgeräten nicht von den Eltern bezahlt werden muss. Darüber hinaus benötigen wir Modellprojekte zur psychischen Gesundheit in Bildungseinrichtungen. Die Corona-Pandemie hat gerade junge Menschen stark getroffen. Ebenso benötigen wir bessere Rahmenbedingungen beim lebenslangen Lernen und der Ausbildung. Dazu zählt eine Ausbildungsplatzgarantie, eine faire Entlohnung und attraktivere Angebote. Wir machen uns seit Jahren für ein Azubiwohnheim und einen gebührenfreien ÖPNV für Auszubildende stark. Den Anfang haben wir in Gütersloh mit dem gebührenfreien Schüler:innenticket gemacht. Das muss Vorbild für alle Kommunen im Kreis sein. Des Weiteren müssen wir eine gerechte Freizeitgestaltung für heranwachsende Kinder gewährleisten. Der Geldbeutel der Eltern darf nicht entscheiden, ob ein Schwimmbad- oder Kinobesuch stattfindet. Ich mache mich stark, einfache Strukturen zu schaffen, damit alle Kinder Zugang zu Vereinen und außerschulischer Bildung haben. Das geht z.B. mit einer Bildungskarte.

Raphael Tigges, CDU: Die Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Präsenzunterricht und der soziale Austausch für Kinder und Jugendliche mit Gleichaltrigen sind. Gleichzeitig ist deutlich geworden, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet und an welchen Stellen Nachholbedarf besteht.
Mittlerweile haben 75 Prozent der Schulen in NRW Zugang zu schnellem Internet und bei dem verbleibenden Viertel befindet sich der Anschluss bereits in Planung. Bis 2025 fließen zudem 2 Milliarden Euro in das Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Eine weitere Milliarde steht im Rahmen des DigitalPakt Schule für den Ausbau der IT-Infrastruktur an Schulen zur Verfügung.
Zukünftig gilt es den Schulunterricht durch digitale Lernmethoden sinnvoll zu ergänzen, aber nicht zu ersetzen. Jede Schülerin und jeder Schüler wird ein digitales Endgerät erhalten. Aber damit ist es jedoch nicht getan, denn es braucht ein gezieltes pädagogisches und fächerspezifisches Konzept, um den gewünschten Lernerfolg zu erreichen. Notwendig ist daher ebenfalls eine Überarbeitung der Lehrpläne und die Förderung von Lehrkräften zur Stärkung digitaler Kenntnisse und von Medienkompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern.
Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche. Deshalb gilt es den Unterricht in den MINT-Fächer weiter zu stärken und den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kompetenzen im Fach Informatik zu vermitteln, um sie auf die Zukunft vorzubereiten. Dazu gehört aber auch eine bessere Berufsinformation an Schulen und mehr Praxisanteile während der schulischen Ausbildung.

Weitere Themen (Veröffentlichungen folgen):

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung einen Wahl-O-Mat erstellt. Über die Beantwortung von 38 Thesen erfährt man, welcher Partei man inhaltlich am nächsten steht.

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