Pilotstudie im Kreis Gütersloh: Mobile Retter erhalten tragbare Defibrillatoren
(Kreis GT). Im Rahmen einer Studie werden bis zu 250 Mobile Retter aus dem Kreis Gütersloh mit einem tragbaren ‚Automatisierten Externen Defibrillator‘ (AED) ausgestattet. Ziel der ‚Early-Shock-OWL-Studie‘ unter der Leitung von Privatdozent Dr. Gerrit Jansen ist es, herauszufinden, ob die mobilen AEDs einen entscheidenden Unterschied machen können. „Wir wollen prüfen, ob die Ausrüstung von Smartphone-alarmierten Ersthelfenden mit AEDs eine frühere Rhythmusanalyse und Defibrillation bewirkt und damit potentiell geeignet ist, die Notfallversorgung in dieser Region nachhaltig zu verbessern“, so Dr. Jansen. Ob etwa nach einem außerklinischen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand bessere Überlebenschancen bestehen und ob Patienten seltener und geringere bleibende Schäden haben oder nicht. Die bisherige Hauptaufgabe der Mobilen Retter ist die Durchführung der Herzdruckmassage, bis der parallel alarmierte Rettungsdienst eintrifft und die weitere Versorgung, zum Beispiel Defibrillation übernimmt. Mit den ausgehändigten tragbaren AEDs sind nun auch Mobile Retter in der Lage eine Elektroschock-Therapie durchzuführen. Zur Einweisung und Übergabe organisierte der Kreis an sieben Tagen 28 Termine mit den Mobilen Rettern.
Landrätin Ina Laukötter freute sich, dass für die Studie der Kreis Gütersloh ausgesucht wurde: „Hier wurde die Mobile Retter-Idee von Dr. Ralf Stroop entwickelt und 2013 durch den Kreis erstmals in Deutschland in die Alarmierungskette eingebunden. Dadurch konnte in zahlreichen Ein-sätzen Leben gerettet werden. Jetzt geht vom Kreis Gütersloh wieder ein entscheidender nächster Schritt aus, um die Notfallversorgung weiter zu verbessern.“ Der Leiter der Studie, Dr. Gerrit Jansen, ist Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin an den Mühlenkreiskliniken Minden. Dr. Jansen: „Der Kreis Gütersloh ist nicht nur der Ursprung, sondern bis heute ein sehr aktiver Kreis mit über 1.100 aktiven Mobilen Rettern und rund 8.000 absolvierten Einsätzen. Durch seine frühe Implementierung des Systems, die enge Zusammenarbeit mit der Leitstelle und sein kontinuierliches Engagement für moderne Notfallversorgung schafft der Kreis ideale Voraussetzungen, um neue Technologien in die Praxis zu bringen.“ Das Prinzip der Mobilen Retter bleibt wie gehabt: Die Leitstelle alarmiert diejenigen, die zufällig in der Nähe von Orten sind, an dem sich ein Kreislaufstillstand ereignet. Dadurch sind sie schneller am Patienten als der Rettungsdienst. Neu ist jetzt im Zeitraum der Studie, dass ein weiterer Mobiler Retter hinzukommt, der einen AED dabeihat. Die freiwilligen Teilnehmer des Projekts verpflichten sich, den AED möglichst oft bei sich zu haben. Dr. Bernd Strickmann, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Kreis Gütersloh: „Die meisten Mobilen Retter kommen mit dem Auto zum Einsatz, nicht zu Fuß. Es ist davon auszugehen, dass die meisten AEDs im Auto liegen und somit oft verfügbar sind.“ Laut bundesweiten Erhebungen benötigt der Rettungsdienst im Schnitt neun Minuten (im Kreis Gütersloh sieben), bis er bei Patienten mit Kreislaufstillstand eintrifft. Sofern Mobile Retter alarmiert werden und ausrücken, schaffen sie es in der Hälfte der Zeit und beginnen mit lebensrettenden Maßnahmen. Strickmann: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Überlebenswahrscheinlichkeit nachweisbar noch weiter erhöhen werden. Aktuelle Leitlinien fordern, dass Defibrillatoren in großer Zahl öffentlich zugänglich sind und die Anrufer von den Leitstellen dorthin gelotst werden, um das Gerät zu holen. Mit unserer Innovation könnten wir den aufwändigen und schwer umsetzbaren Schritt vorerst überspringen.“
Neben den Mühlenkreiskliniken und dem Kreis Gütersloh sind an der Studiendurchführung auch der Verein Mobile Retter für das Ehrenamtsmanagement und die ‚medgineering GmbH‘ als Technologieanbieter der App beteiligt. Die AEDs im Wert von rund 700.000 Euro wurden von der Stiftung ,ZOLL Foundation‘ aus den USA beschafft. Mitarbeitende von ZOLL Deutschland führten die Geräteeinweisungen durch. Die logistische Unterstützung durch das Kreis-Rettungsdienstzentrum unter der Leitung von Markus Brock ermöglichte einen reibungslosen Ablauf der Katalogisierung, Kennzeichnung, Inbetriebnahme und Ausgabe der Defibrillatoren.
Weitere Informationen zu den Mobilen Rettern unter https://portal.mobile-retter.org/regionen/kreis-guetersloh