Kreisverwaltung will Geschwindigkeitsüberwachung ausweiten: Mit mehr Personal steigende Unfallzahlen und Raser ausbremse

Kreisverwaltung will Geschwindigkeitsüberwachung ausweiten: Mit mehr Personal steigende Unfallzahlen und Raser ausbremse

Der weiße Porsche ist auf beiden Aufnahmen sehr gut zu erkennen, sein Fahrer auch. Der hat es geschafft, innerhalb einer halben Stunde – offenbar auf dem Hin- und Rückweg – in Herzebrock (Pixel) mit jeweils über 140 Stundenkilometern geblitzt zu werden – in einem Bereich, in dem maximal 70 Stundenkilometer erlaubt sind. Nur ein Fall von vielen. Eine „zunehmende Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr“ hat man in der Abteilung Straßenverkehr beobachtet und will jetzt gegensteuern. Immer häufiger würden drastische Verstöße mit 50 Stundenkilometern zu viel oder mehr registriert.

„Überhöhte Geschwindigkeit ist weiter eine der Hauptunfallursachen. Eine flächendeckende Überwachung halten Fachkreise daher für unausweichlich“, betont Landrat Sven-Georg Adenauer. Die Unfallzahlen im Kreis Gütersloh würden Anlass geben, zu reagieren, steigen sie nach einem vorübergehenden Tief in der Pandemie doch wieder stark an. Stand jeweils 30. Juni stieg die Zahl der Unfälle von 3.848 im ersten Halbjahr 2021 auf 4.280 in 2022. Zudem zeigt sich, dass die Bearbeitung der Fälle immer komplexer wird.

Mit vier neuen Stellen soll die zeitliche und räumliche Ausweitung der Überwachung gelingen: Zwei sind für die Messung an der Straße, eine für die Fotoauswertung und eine für das Backoffice geplant. Bis dato kontrolliert die Verkehrsüberwachung des Kreises die Geschwindigkeit in Absprache mit der Polizei vor allem an so genannten Unfallhäufungspunkten und an Stellen, an denen überdurchschnittliche viele Geschwindigkeitsverstöße durch Verkehrsuntersuchungen nachgewiesen wurden. Dort, wie auch an schutzwürdigen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Sporthallen und Altenheimen, aber auch verstärkt in der Fläche soll künftig zeitlich intensiver kontrolliert werden – auch am Wochenende. Die Abteilung Straßenverkehr will dabei auch schneller auf Bürgeranregungen reagieren können, die sich beschweren, dass vor ihrer Haustür zu schnell gefahren wird. Geplant ist, künftig täglich jeweils zehn Stunden in sechs Kommunen, also der Hälfte für die der Kreis zuständig ist, aktiv zu werden. Die Stadt Gütersloh betreibt eigene Messanlagen.

Technisch setzt der Kreis derzeit auf drei unterschiedliche Modelle, die aber nicht alle die gleiche Technik anwenden: Drei so genannte Semi-Stationen, eine davon ist ‚Hansi‘, die autark für mehrere Tage an einem Platz belassen werden können und die in beide Richtungen die Geschwindigkeit messen. Dann gibt es moderne sogenannte ESO-8-Anlagen: Sie bestehen aus mehreren Teilen und lassen sich so beispielsweise in der Hecke platzieren. Sodass der Fahrer des weißen Porsche gar nicht mitbekam, dass er zwei Mal abgelichtet wurde. Zudem gibt es dann noch ein ähnliches Gerät (S 350), das aber nur in eine Richtung die Geschwindigkeit misst.

Da der Kreistag über die Stellen erst im Rahmen der Haushaltsberatungen 2023 im März nächsten Jahres entscheiden wird, würden diese frühestens Mitte 2023 besetzt werden können. Den Personalkosten für das Jahr 2023 in Höhe von 111.250 Euro würden dann im gleichen Jahr Mehreinnahmen von 670.000 Euro gegenüberstehen. In 2024 rechnet man mit 225.000 Euro Personalkosten und Mehreinnahmen von 1,34 Millionen Euro.

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