Sonntagsgedanken in der Adventszeit
In der Vorweihnachtszeit möchten wir jeden Adventssonntag mit einem besonderen „Sonntagsgedanken“ beginnen. Mit ein paar Zeilen oder Worten laden wir zum Innehalten und Nachdenken ein – adventlich, besinnlich und hoffnungsvoll
Sonntagsgedanken zum vierten Advent: Dankbarkeit
Von Christina Vredenburg
Der vierte Advent ist traditionell ein Moment des Innehaltens. Ein Moment, in dem wir uns bewusst machen dürfen, wie gut es uns hier geht. Hinter uns liegen viele Wochen voller Weihnachtsmärkte, Begegnungen und Shopping, damit am Heiligabend viele Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen können. Wir leben in einer Region, in der wir vieles haben, was andernorts nicht selbstverständlich ist – während Menschen in anderen Teilen der Welt mit Hungersnot oder Krieg konfrontiert sind. Und doch gibt es auch bei uns viele Familien, die sich nicht alles leisten können, was auf der Wunschliste steht.
Gerade in dieser Zeit sollten wir unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen. Die Veränderungen der letzten Monate sind deutlich spürbar: Insolvenzen, geplante Schließungen von Geschäften, leere Schaufenster. Auch beim Einkaufen ertappe ich mich immer wieder bei der Frage: Brauche ich das wirklich – oder ist es nur Überfluss?
Doch manchmal braucht es auch Dinge fürs Herz. Kleine Geschenke, die Gefühle transportieren, Nähe und Freude schenken – für andere und für uns selbst. Denn genauso wie wir anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern können, dürfen wir uns auch selbst etwas gönnen, das uns gut tut. Ohne diese Momente wäre vieles tatsächlich nur Überfluss.
Seit den Jahren der Corona-Pandemie und den drastischen Strompreiserhöhungen stehen viele Unternehmen zusätzlich unter Druck. Von Jahr zu Jahr wird neu geplant und abgewogen, ob es überhaupt noch weitergehen kann. Diese Unsicherheit prägt nicht nur die Betriebe selbst, sondern auch unsere Innenstädte und das Miteinander. Die große Frage bleibt: Was ist hier die Lösung? Vielleicht liegt sie in einem bewussteren Konsum, in mehr Solidarität mit den lokalen Geschäften und in politischen wie gesellschaftlichen Entscheidungen, die Rahmenbedingungen schaffen, damit Unternehmertum auch in Zukunft Bestand haben kann.
Natürlich ist es nicht immer einfach, lokal einzukaufen. Manches ist nicht verfügbar, manches teurer als online. Aber wenn wir auch in Zukunft durch unsere Straßen gehen möchten, festlich dekorierte Schaufenster sehen möchten – nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr über – dann müssen wir bei uns selbst anfangen.
Amazon und Co werden keine Hallen für uns schmücken, keine Weihnachtsmärkte organisieren, keine Hütten bestücken und keine Spenden vor Ort durchführen. Das tun die Menschen hier vor Ort: unsere Einzelhändler, unsere Gewerbetreibenden, unsere Vereine. Sie sind es, die uns inspirieren, die Gemeinschaft gestalten und die Atmosphäre schaffen, die wir so sehr lieben.
Viele Dinge hängen wir im Alltag sehr hoch auf – Termine, kleine Ärgernisse oder materielle Wünsche. Doch wenn ein schwerer Krankheitsfall in der Familie eintritt, verschieben sich die Maßstäbe plötzlich. Dinge, die eben noch wichtig erschienen, treten in den Hintergrund, und man wird ganz schnell geerdet. In solchen Momenten wird deutlich, was wirklich zählt: Nähe, Zusammenhalt, Zeit füreinander und die kleinen Gesten, die Trost und Hoffnung schenken.
Dankbarkeit bedeutet deshalb auch, Verantwortung zu übernehmen – für unser Handeln, für unsere Nachbarschaft, für das Leben vor unserer eigenen Haustür. Und wenn wir diesen Weg gemeinsam gehen, dann bleibt es uns hier noch lange gut.
Einen schönen 4. Advent
Wie sind Eure Gedanken dazu?