Baugeschichte und Bedeutung des Kolpinghauses

Herzebrock wird in diesen Tagen wieder um ein Stück Geschichte ärmer: Das Kolpinghaus wird abgerissen und macht zwei Wohngebäuden im modernen Baustil Platz.

Baugeschichte und Bedeutung des Kolpinghauses

Der Bau des Ursprungsgebäudes begann 1932 - Grundsteinlegung am 9. Oktober - und wurde im Jahr 1933 fertiggestellt. Das repräsentative Backsteingebäude mit dem typischen Walmdach war insbesondere gekennzeichnet durch das über die nordöstlichen Gebäudeecke angeordnete großzügige Portal und die über Eck angeordneten Fenster im Obergeschoss.

Die Räumlichkeiten reichten für die aufstrebende und aktive Herzebrocker Kolpingsfamilie 30 Jahre später nicht mehr aus: 1962 wurde das Gebäude um einen Saal erweitert, der bereits 1968 aufgrund des zunehmenden Interesses auch anderer Gruppen in der Gemeinde erweitert werden musste. So war ein großer Raum für 200 Personen vorhanden, der für Feste von Vereinen und Familien zur Verfügung stand.

Mit dem letzten Bauprojekt, dem Neubau der Küche und dem Anbau eines Gastraumes 1993 sollte das Kolpinghaus als Gaststätte, Restaurant und Saalbetrieb zukunftsfähig gemacht werden. Alle Bauabschnitte wurden mit großer Eigenleistung und finanzieller Unterstützung der Mitglieder der Kolpingsfamilie realisiert, getragen durch einen großen Gemeinschaftssinn. Die letzte Erweiterung verdankte man ausweislich eines kleinen Grundsteins einem Kolpingbruder im Besonderen: „Dank an unseren Kolpingbruder Aloys Reckendress – 1993“.

Die Geschichte des Kolpinghauses endet nach 90 Jahren mit der Verkaufsentscheidung des Kolpinghaus e.V. als Eigentümer im Jahr 2021 und dem Beginn der Abrissarbeiten im April 2022.

Ein prägendes Gebäude des Ortes, das beispielhaft steht für die Entwicklung des Dorfes im 20. Jahrhundert, bleibt Erinnerung und anschaulich in vielen Fotos, die sich in den Fotoalben vieler Herzebrocker finden lassen. Es gibt wohl keine Familie, die nicht irgendein Fest in den Räumlichkeiten des Kolpinghauses gefeiert hat.

Text: Karl-Hermann Schlepphorst

1 - Das Ursprungsgebäude wirkte durch architektonische Besonderheiten durch eine strukturierte Backsteinfassade, das großzügige, einladende Portal und die über Eck angeordneten Fenster im Obergeschoss. (Bild: Repros Willy Stüer)

2 – Die Grundsteinlegung erfolgte nach Fertigstellung des Kellers im Oktober 1932. (Bild: Repros Willy Stüer)

3 – Die Rückseite des Kolpinghauses – noch ohne Saal. (Bild: Willy Stüer)

4 – 1962 erfolgte der Saalbau, der bereits 1968 verlängert wurde. (Bild: Willy Stüer)

5 – Der Abrissbagger hatte sich vorm letzten Wochenende bis in die Mitte des ehemaligen Saals vorgearbeitet (Bild: Karl-Hermann Schlepphorst)

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