30 Jahre Kulturlandschaft: Jubiläumsfeier auf Hof Pavenstädt setzt ein starkes Zeichen gegen die B64n | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Zum 30‑jährigen Jubiläum zeigte der Verein Kulturlandschaft Sundern‑Samtholz‑Brock e.V., wie lebendig Engagement sein kann: Musik, Naturerlebnis und starke Worte prägten den Nachmittag – und machten deutlich, warum die Region geschlossen gegen die geplante B64n steht.

30 Jahre Kulturlandschaft: Jubiläumsfeier auf Hof Pavenstädt setzt ein starkes Zeichen gegen die B64n

Jubiläum mit Botschaft – 30 Jahre Kulturlandschaft Sundern‑Samtholz‑Brock

Die Jubiläumsfeier zum 30‑jährigen Bestehen des Vereins Kulturlandschaft Sundern‑Samtholz‑Brock e.V. markiert einen besonderen Moment für Herzebrock‑Clarholz. Seit 1996 setzt sich der Verein für den Erhalt der einzigartigen Landschaft zwischen Sundern, Samtholz und Brock ein – einer Region, die durch ihre Mischung aus Natur, Landwirtschaft und historisch gewachsenen Kulturräumen geprägt ist.

Eröffnet wurde die Jubiläumsveranstaltung von Arnold Greifenberg, der mit einer humorvollen und herzlichen Moderation durch den Nachmittag führte. Er begrüßte die Gäste, stellte das vielfältige Programm vor und sorgte mit seinem typischen Augenzwinkern für einen lebendigen Einstieg. Greifenberg betonte die Bedeutung des gemeinsamen Engagements und leitete mit klaren Worten in den Festakt über. Seine Moderation setzte den Ton für den gesamten Nachmittag: engagiert, zugewandt und mit spürbarer Leidenschaft für die Kulturlandschaft.

Neben der Livemusik von The Snooks sorgten die Vorstadtgriller mit warmen Speisen für Genuss, während Kaffee und Kuchen sowie kalte Getränke zum Verweilen einluden.

Ein besonderes Highlight war die Rollende Waldschule der Kreisjägerschaft Gütersloh, bei der Besucherinnen und Besucher viel über die Tierarten und Pflanzen der Region lernen konnten – ein Angebot, das die Bedeutung der heimischen Natur eindrucksvoll sichtbar machte.

Für Kinder gab es ein liebevoll gestaltetes Mitmachprogramm mit Seifenblasen, Dosenwerfen und einer Carrera‑Bahn, das den Nachmittag zu einem Familienfest machte und die Kulturlandschaft als lebendigen Ort für Jung und Alt präsentierte.

Stimmen, die bewegen – die Reden zum Jubiläum

Im Anschluss an die Eröffnung durch Arnold Greifenberg folgte eine Reihe eindrucksvoller Redebeiträge, die das Engagement, die Haltung und die Geschichte des Vereins aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.

Elisabeth Meier übernahm als erste Rednerin das Wort. Sie begann mit einem selbst verfassten Text, der die drei Jahrzehnte Engagement eindrucksvoll zusammenfasste. Meier erinnerte daran, wie früh der Verein erkannt hat, dass der geplante Neubau der B64n nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern ein tiefgreifender Eingriff in Natur, Landwirtschaft und Lebensqualität wäre. Ihr Gedicht war zugleich Rückblick und Mahnung, getragen von der Überzeugung, dass Bürgerengagement über Jahrzehnte hinweg Wirkung entfalten kann.

„30 Jahre Kulturlandschaft. Nein, wer hätte es gedacht, dass wir heute noch nicht wissen, ob die B64n kommen muss?“ Mit diesen Worten machte sie deutlich, wie zäh das Verfahren ist – und wie wichtig es bleibt, die Stimme der Region hörbar zu halten. Ihre Rede verband persönliche Erinnerungen, politische Klarheit und die feste Zusage, dass der Verein weiterhin wachsam bleibt.

Pastor Rainer Moritz stellte den Einsatz des Vereins in einen größeren ethischen und theologischen Zusammenhang. Er erinnerte daran, dass die Bewahrung der Schöpfung nicht nur ein kirchlicher Auftrag, sondern eine gemeinsame Verantwortung aller Menschen sei. Seine Worte verliehen dem Nachmittag eine nachdenkliche Tiefe und machten deutlich, dass der Protest gegen die B64n weit über politische Argumente hinausgeht.

„Es geht darum zu nutzen, aber eben nicht gedankenlos zu zerstören. Sie übernehmen seit drei Jahrzehnten Verantwortung für die Schöpfung hier vor unserer Haustür.“ Moritz würdigte die Initiative als Beispiel dafür, wie demokratische Beteiligung und Gemeinsinn zusammenwirken können. Er betonte, dass Landschaft erst durch Menschen zu Kulturlandschaft werde – und dass diese Haltung auch eine Gesellschaft menschlicher mache.

Als stellvertretender Bürgermeister blickte Reinhard Neuhaus zurück auf die Anfänge des Vereins, die im Wohnzimmer begannen. Er schilderte, wie aus einer kleinen Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger eine starke regionale Stimme wurde, die heute weit über Herzebrock‑Clarholz hinaus wahrgenommen wird. Neuhaus betonte, dass der Verein über Jahrzehnte hinweg politische Debatten geprägt und immer wieder neue Argumente geliefert habe – auch in Zeiten, in denen die Planungen scheinbar unaufhaltsam voranschritten.

„Wenn ich dann sehe, was aus diesen vier, fünf Personen im Wohnzimmer heute raus geworden ist – 30 Jahre Kulturlandschaft. Das ist eine tolle Sache.“ Er machte deutlich, dass die Initiative aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken ist und dass ihr Engagement auch künftig gebraucht wird – unabhängig davon, wie sich die Planungen entwickeln.

Dr. Christine Disselkamp sprach sowohl offiziell als stellvertretende Landrätin als auch als Privatperson und formulierte ihre Haltung zur B64n klar und unmissverständlich. Sie betonte, dass die Region längst gezeigt habe, dass sie die Straße nicht brauche – und dass die Bevölkerung dies in vielen Gesprächen, Veranstaltungen und zuletzt in der Bürgerumfrage deutlich gemacht habe. Ihre Rede verband politische Verantwortung mit persönlicher Überzeugung.

„Die Straße brauchen wir nicht. Die Menschen wollen sie nicht.“ Disselkamp würdigte besonders die Ausdauer und Sachlichkeit von Elisabeth Meier, die über Jahrzehnte hinweg Menschen motiviert, informiert und zusammengeführt habe. Sie hob hervor, dass der Verein nicht gegen etwas kämpfe, sondern für den Erhalt einer wertvollen Landschaft, die für kommende Generationen geschützt werden müsse.

Markus Witte hob die Bedeutung der Bürgerumfrage 2024 hervor, die ein klares Signal gegen die B64n setzte. Er erinnerte daran, wie intensiv die Informationsarbeit des Vereins war – von Veranstaltungen über kreative Aktionen bis hin zu sachlichen Argumentationspapieren. Witte machte deutlich, dass die Initiative maßgeblich dazu beigetragen habe, die Stimmung in der Gemeinde zu drehen und politische Mehrheiten zu bewegen.

„70 % ist eine unfassbare Zahl für eine Bürgerumfrage gegen diese Straße.“ Er lobte die Kreativität und Beharrlichkeit des Vereins, die maßgeblich zu diesem Ergebnis beigetragen hätten, und rief dazu auf, weiterhin laut und stabil für die Natur und die Demokratie einzustehen.

Wulf Hahn, Fachplaner und Gutachter von Regio Consult, begleitet die Initiative seit über 15 Jahren. Er kennt die fachlichen Details des Projekts wie kaum ein anderer und erläuterte, wie umfangreich die Gutachten zu Verkehr, Lärmschutz, Hochwasser und Klimafolgen inzwischen sind. Hahn machte deutlich, dass die finanziellen Rahmenbedingungen sich grundlegend verändert haben und dass Großprojekte wie die B64n heute unter völlig anderen Voraussetzungen bewertet werden müssen.

„Es ist nicht mehr so viel Geld da, wie das in den letzten Jahrzehnten der Fall war.“ Er zeigte sich optimistisch, dass die Zeit für die Initiative spielt: steigende Baukosten, knappe Haushalte und eine geschlossene Region seien Faktoren, die das Projekt zunehmend infrage stellen.

30 Jahre Einsatz für unsere Landschaft

Der Verein Kulturlandschaft Sundern‑Samtholz‑Brock e.V. setzt sich seit 1996 für den Erhalt der namensgebenden Landschaft ein – einer Region, geprägt von Natur, Landwirtschaft und gewachsenen Kulturräumen. Ziel ist es, diese wertvollen Natur‑ und Kulturstätten zu schützen und ihre Bedeutung sichtbar zu machen.

Aktuell sieht der Verein die Landschaft durch den geplanten Neubau der B64n bedroht. Die Trasse würde sensible Bereiche und landwirtschaftliche Flächen zerschneiden und das Landschaftsbild dauerhaft verändern. Deshalb ruft der Verein dazu auf, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und sich klar gegen das Projekt zu positionieren.

Die Jubiläumsfeier zeigte, wie viel Engagement in den vergangenen 30 Jahren geleistet wurde: zahlreiche Gespräche, Aktionen, Gutachten und eine starke Gemeinschaft, die sich nicht entmutigen lässt. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn – der Schutz der Landschaft bleibt eine Aufgabe, die Mut, Ausdauer und klare Haltung erfordert.

Die Veranstaltung auf dem Biohof Pavenstädt-Westhoff war daher nicht nur ein Fest, sondern ein deutliches Signal: Für Herzebrock‑Clarholz gilt weiterhin – NEIN zur B64n!