Mit 19 allein geflohen – heute ein fester Teil der Gemeinde Herzebrock-Clarholz: Thierno Bah unterstützt Schulbauprojekt in Guinea
Nach seiner Flucht aus Guinea kommt Thierno Bah 2015 im Alter von 19 Jahren nach Deutschland: allein und ohne Sprachkenntnisse. Mit Unterstützung von Ingrid Vornholt, ehemalige Mitarbeiterin beim Sozialamt Herzebrock, sowie dem gemeinnützigen Verein Pro Arbeit gelingt es ihm, in der Gemeinde Fuß zu fassen. Als Maler und Lackierer im heimischen Betrieb von Tobias Witte steht der junge Mann finanziell längst auf eigenen Füßen. Seine westafrikanische Heimat, in der heute noch Verwandte leben, hat er jedoch nicht vergessen. Er spart sein verdientes Geld und ruft in seinem Umfeld zu Spenden auf, um die Lernsituation von zurzeit rund 280 schulpflichtigen Kindern zu fördern. Mehrere Tausend Euro sind bereits zusammengekommen, die vor Ort dabei helfen, die bisherigen zugigen Wellblechhütten mit Lehmboden durch gemauerte Schulgebäude zu ersetzen.
Im Februar reist Bah schließlich zum ersten Mal seit seiner Flucht in seine Heimat, um den Baufortschritt zu begutachten. Begleitet wird er von Annette Nordemann, die als langjährige Leiterin des Pro Arbeit-Standortes in Herzebrock maßgeblich an seiner erfolgreichen Integration beteiligt war. „Thierno hat bei Pro Arbeit praktische Arbeitserfahrungen gesammelt und grundlegende Sprachkenntnisse erlernt“, erklärt die Mutter zweier Söhne, die den Guineer auch nach dieser Zeit und über den eigenen Renteneintritt hinaus unterstützt: „Ich habe auch sein Spendenprojekt begleitet und war beeindruckt von dem Engagement: Thiernos, aber auch dem der Menschen in Urouroya.“
Die zweiwöchige Reise in das Land, das als eines der ärmsten Länder der Erde gilt, wird für die dreiköpfige Gruppe, darunter auch Nordemanns Sohn, Historiker Jacob Liedtke, zu einem eindrucksvollen Erlebnis. „In der Conakry, Thiernos Geburtsstadt und unserem ersten Ziel, leben drei Millionen Menschen auf einer Fläche kaum größer als Köln. Die Feinstaubbelastung ist hoch; medizinische Versorgung, Infrastruktur und die Wohn- und Lebensbedingungen sind mit unseren Standards nicht vergleichbar“, fasst Annette Nordemann zusammen. Umso ergreifender ist die Herzlichkeit und Zufriedenheit der Menschen, für die der Besuch der Europäer eine Kuriosität ist.
Nach Thierno Bahs Wiedersehen mit seiner Familie geht es weiter in das 220 Kilometer entfernte Urouroya. Strom ist hier nur eingeschränkt verfügbar, Wasser wird aus einem sechs Kilometer entfernten Brunnen geholt: Häufig von den Kindern, die dann stundenlang im Unterricht fehlen. Dank Bahs Spenden und einem hohen Maß an Eigeninitiative der Menschen vor Ort sind bereits mehrere Schulgebäude entstanden, weitere sollen folgen. Auch zusätzliche Lehrkräfte sollen den Schulbetrieb, der derzeit in zwei Schichten stattfindet, verbessern: „Die Dorfgemeinschaft finanziert die vorhanden Lehrkräfte selbst, und alle helfen beim Ausbau der Schule. Die Dorfältesten sammeln darüber hinaus Beiträge bei Einheimischen und ehemaligen Dorfbewohnern im Ausland.“ Beeindruckt ist die kleine Reisegruppe ebenso von der Offenheit und Transparenz, mit der die Verwendung ihrer bislang übermittelten Spenden belegt wird. „Die Verantwortlichen haben unser volles Vertrauen gewonnen und wir konnten mit gutem Gewissen direkt weitere 500 Euro übergeben. Zusätzlich stehen 2.000 Euro auf unserem Spendenkonto bereit“, berichtet die ehemalige Pro Arbeit-Mitarbeiterin.
Um den Schulbau sowie die Errichtung eines dringend benötigten Brunnens weiter zu unterstützen, werden gern noch Geldspenden entgegengenommen. Unter dem Namen Annette Nordemann/Thierno Bah wurde dazu ein Spendenkonto bei der Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück eingerichtet, IBAN: DE56 4785 3520 0301 4584 10. Spenden sind außerdem unter dem Namen „Thierno Bah“ über die Plattform GoFundMe möglich. Aktuelle Infos zu dem Projekt gibt es regelmäßig über den Instagram-Kanal unter www.instagram.com/urouroya
Reisebericht: Ein Dorf hilft sich selbst und baut eine Schule - Eine Reise nach Urouroya in Guinea
Als wir mit Thierno Bah in Conakry landen, begegnet uns die Realität eines Landes fernab vom Tourismus. Drei Millionen Menschen tummeln sich hier auf einer Fläche kaum größer als Köln, das Land mit seinen insgesamt etwa 14 Millionen Einwohner*innen ist reich an wichtigen Bodenschätzen, hat aber seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1958 mit vielen Problemen zu kämpfen. Obwohl wir den Flughafen erst um kurz vor Mitternacht verlassen, zeigt sich auf dem Parkplatz und den umlaufenden Straßen bereits in Ansätzen, was uns im Verlauf der nächsten Tage noch erwarten wird. Zunächst einmal ist das sehr viel Herzlichkeit und Wärme. Große Teile von Thiernos Familie haben über Stunden am Flughafen ausgeharrt und uns erwartet. Als Thiernos Schwester und seine anderen Lieben ihn nach zehn Jahren, in denen er sich in Deutschland ein Leben und eine langfristige Perspektive aufgebaut hat, endlich wiedersehen, fließen Tränen der Freude und auch wir werden überschwänglich willkommen geheißen, was uns den Lärm und den Staub der Großstadt, die strapaziöse Reise und die tropische Hitze kurz vollkommen vergessen lässt.
Guinea ist einer der weltweit größten Exporteure von Bauxit, einem Erz, das essenziell für die Herstellung von Aluminium ist, es gilt landschaftlich als „kleines Afrika“, weil die Küstenregion am Atlantik, der Sahelgürtel im Norden, das Hochland des Fouta Djallon und das südliche Waldguinea eine große geografische und klimatische Vielfalt und eine entsprechend hohe Biodiversität in Flora und Fauna bieten. Politisch instabile Verhältnisse und eine schlechte Position im Welthandel haben in den vergangenen Jahrzehnten jedoch leider dafür gesorgt, dass das Land seine großen Potenziale bisher nicht ausschöpfen konnte. Politische Gewalt und undemokratische Machtwechsel durchziehen die jüngere Geschichte und auch der aktuelle Präsident Mamady Doumbouya kam 2021 durch einen Militärputsch an die Macht und hat sich im Dezember letzten Jahres durch eine mehr als zweifelhafte Wahl im Präsidentenamt bestätigen lassen. Es gab immer wieder Versuche die Profite aus der Ausbeutung der Bodenschätze in größerem Maßstab im Land zu halten, aber die Bemühungen eine eigene Industrie zur Verhüttung des Bauxits aufzubauen zeitigten bisher keine nennenswerten Erfolge, auch weil das Land ein großes Problem mit Korruption hat.
Bildung als Hoffnung – Wasser als Grundlage
Der Grund, warum wir Thierno in seine Heimat begleitet haben, liegt 220 km von Conakry im Landesinneren, nahe Mamou: Das Dorf Urouroya, die Heimat seiner Eltern. Das kleine Dorf verwaltet sich weitestgehend selbst, der Staat kümmert sich kaum um Infrastruktur und basale Fragen der Daseinsvorsorge in der Peripherie der wirtschaftlich bedeutenden Regionen. Die Menschen führen hier ein bescheidenes Landleben, sie bauen Reis und Gemüse an und halten als Gemeinschaft fest zusammen. Strom ist nur eingeschränkt verfügbar. Wasser muss aus einem sechs Kilometer entfernten Brunnen geholt werden – oft von Kindern oder den Frauen, die die weite Strecke bei jedem Wetter zu Fuß zurücklegen müssen.
In Urouroya und Umgebung leben rund 280 schulpflichtige Kinder. Seit 1990 gibt es im Dorf eine Schule. Die Dorfgemeinschaft finanziert die Lehrkräfte selbst und beteiligt sich am Ausbau der Klassenräume. Der Unterricht findet derzeit in zwei Schichten statt, oft teilen sich drei Kinder eine Schulbank. Bücher und Materialien sind knapp – doch Motivation und Engagement sind beeindruckend.
Neben dem weiteren Ausbau der Schule ist auch der Bau eines eigenen Brunnens für das Dorf sehr wichtig. Fehlender Zugang zu Trinkwasser gefährdet Gesundheit, erschwert Hygiene und ist ein Hindernis für einen geregelten Schulalltag. Kinder, die stundenlang Wasser holen müssen, fehlen im Unterricht. Sauberes Trinkwasser würde die Lebensbedingungen aller Dorfbewohner also grundlegend und nachhaltig verbessern.
Ein Brunnen wäre daher ein entscheidender Schritt für die gesamte Dorfgemeinschaft – für Schule, Familien und bessere Zukunftsperspektiven gleichermaßen.
Hilfe, die ankommt
Vor drei Jahren startete Thierno eine Spendenaktion und sammelte 2.000 Euro. Damit konnte ein Klassenraum mitfinanziert werden. Auch die Dorfältesten sammeln Beiträge bei Einheimischen und bei ehemaligen Dorfbewohnern im Ausland. In Gesprächen mit dem Schulleiter, den Lehrkräften und den Verantwortlichen für den Bau erlebten wir große Offenheit und Transparenz. Uns konnte lückenlos erklärt werden, wie die bisher gesammelten Spenden verwendet wurden und wo weitere Bedarfe bestehen. Die Verantwortlichen haben damit unser volles Vertrauen gewonnen und wir konnten mit gutem Gewissen direkt vor Ort weitere 500€ übergeben - zusätzlich stehen 2.000 Euro auf unserem Spendenkonto bereit. Gerne möchten wir durch diesen Bericht nochmal dazu einladen die Bemühungen der Menschen in Urouroya zu unterstützen.
Ein erreichbares Ziel mit großer Wirkung
Mit insgesamt 20.000 Euro könnten:
die dringend benötigten Klassenräume fertiggestellt werden
Schulmöbel und Lernmaterialien angeschafft werden
sowie ein dringend benötigter Brunnen gebaut werden
Der Brunnen bedeutet sauberes Trinkwasser, weniger Krankheiten, mehr Zeit für Schule statt für lange Wasserwege – und damit bessere Zukunftschancen.
Jede Spende zählt
Was uns tief bewegt hat: Dieses Dorf wartet nicht passiv auf Hilfe. Die Menschen investieren selbst, organisieren sich, tragen Verantwortung. Doch um die nächsten Schritte – beim Schulbau ebenso wie beim Bau des Brunnens – zu gehen, braucht Urouroya Unterstützung von außen. Jede Spende, ob klein oder groß, hilft unmittelbar und kommt direkt vor Ort an.
Spenden sind möglich über GoFundMe oder direkt auf unser Spendenkonto bei der Kreissparkasse (Nr. xyz). Wir werden weiterhin transparent berichten, wie es in Urouroya vorangeht.
Helfen wir mit, dass aus Hoffnung Zukunft wird.