Erzähl mal! – Geschichten von früher. Erinnerungen, die unsere Heimat lebendig machen.
Mit unserer neuen Reihe „Erzähl mal! – Geschichten von früher“ möchten wir Erinnerungen sammeln, die Herzebrock‑Clarholz geprägt haben – kleine und große Geschichten aus Kindheit, Schule, Hof, Nachbarschaft oder Dorfleben. Ob aus den 1950ern, 1970ern, 1990ern oder aus den frühen 2000ern: Jede Zeit hat ihre eigenen Klänge, Gerüche, Rituale und Besonderheiten. Genau diese persönlichen Erlebnisse möchten wir sichtbar machen – weil sie zeigen, wie sich unser Alltag verändert hat und wie viel Vertrautes, Lustiges oder Berührendes in den Momenten von früher steckt.
Wir freuen uns sehr, dass uns bereits die ersten Beiträge erreichen. Die 50er und 60er Jahre in Deutschland waren geprägt von Einfachheit, Gemeinschaft und einem Alltag, der noch eng mit Natur und Jahreszeiten verbunden war. Vieles wurde selbst angebaut, eingekocht oder repariert, und die Familien lebten mit wenig Besitz, aber viel Zusammenhalt. Kinder wuchsen ohne Fernseher, ohne Telefon und meist ohne Auto auf – dafür mit Freiheit und Fantasie. Es war eine Zeit, in der man sich auf Nachbarn verließ, in der Arbeit selbstverständlich geteilt wurde und in der kleine Dinge große Bedeutung hatten. In genau dieser Welt ist Gaby Stenger in Langenberg aufgewachsen – und lebt nun schon seit rund fünfzig Jahren in Herzebrock‑Clarholz, das längst zu ihrer Heimat geworden ist.
Zwischen Ernte, Donnerbalken und Nachbarschaft: Erinnerungen an eine andere Zeit
Erinnerungen von Gaby Stenger
„Wir haben früher viel an der Natur gespielt“, erzählt Gaby. „An den kleinen Flüssen haben wir Stichlinge gefangen, Steine geworfen, einfach den Tag verbracht und gespielt.“ Die Bäche und Gräben rund um Langenberg waren für die Kinder ein Spielplatz, an dem Zeit keine Rolle spielte. Im Winter wurde das Wasser auf die felder gelassen und verwandelte sich die Landschaft in große Eisflächen. „Wir hatten riesige Eisfelder zum Schlittschuhlaufen.“ In den Schlafzimmern gab es noch keine Heizung, und wenn es richtig kalt wurde, bildeten sich dicke Eisschichten und Eisblumen an den Fenstern. „Zum Schlafen trugen wir Mützen“, erinnert sie sich.
Auch die Arbeit auf den Feldern gehörte selbstverständlich zum Alltag. Die Erntezeit war für die Kinder ein Ereignis, bei dem geholfen und gespielt wurde. „Bevor die gebundenen Ehren abgeholt wurden, haben wir auf den Feldern gespielt und sie als Häuser genutzt.“ Die Runkelrüben – „Runkeln“, wie man sagte – wurden gemeinsam geerntet. „Die Rumpeln wurden über einen Schacht in den Keller geworfen, später gehäckselt und gekocht. Damit wurden die Schweine gefüttert.“ Geschlachtet wurde damals noch zu Hause, und alle schauten zu, auch der Veterinär. „Ich hatte Angst, wenn ich nachts zur Toilette musste, weil ich am toten Tier vorbei musste“, sagt Gaby.
In der Waschküche wurde erst in einem Einsatz die Wäsche gewaschen und später in einem anderen Einsatz die Blutwurst gekocht. Überhaupt wurde viel eingekocht, damit man über den Winter kam. Taschengeld gab es nicht von den Eltern, sondern wurde selbst verdient. „Unser Taschengeld haben wir bei der Kartoffelernte verdient“, erzählt Gaby. Jedes Kind sammelte Körbe voll, die dann auf eine Karre geladen wurden. Der Bauer versorgte die Helfer mit Essigwasser, das war normales Brunnenwasser, das mit einem kräftigen Schuss Apfelessig und manchmal etwas Zucker versetzt wurde, dazu gab es Brot und Kuchen für die körperliche Arbeit. „Es war harte Arbeit, aber es war auch ein tolles Taschengeld.“
Die Toilette war ein Donnerbalken neben der Waschküche. „Im Winter war es eiskalt, im Sommer krabbelten schon mal Maden herum. Einmal im Jahr holten die Männer den Inhalt ab und brachten ihn auf die Felder. Dementsprechend roch es.“ Eine richtige Toilette bekam die Familie erst, als Gaby im Jugendalter war. Auch technische Geräte waren selten. „Unseren ersten Fernseher bekamen wir, als ich etwa zehn war. Vorher ging man zu den Nachbarn und schaute gemeinsam. Das war sehr gesellig.“ Ein Telefon gab es ebenfalls nicht. „Wenn man telefonieren musste, ging man zu den Nachbarn. Die hatten wegen ihrer Hühner ein Büro – und ein Telefon.“ Und wenn in der Schule etwas passiert war, riefen die auch bei den Nachbarn an und die kamen dann rüber.
Autos waren selten, und so ging man zu Fuß, fuhr mit dem Bus oder bat jemanden aus der Nachbarschaft, der schon ein Auto besaß. Verabredungen wurden in der Schule getroffen, und Absagen waren kaum möglich. „Wenn man spontan spielen wollte, fuhr man mit dem Fahrrad hin und fragte: ‚Ist Maria da? Können wir spielen.‘“ Gespielt wurde draußen – mit Rollschuhen, Springseil, Gummitwist, Fußball, Hüpfekästchen oder beim Knickern. „Wir hatten nicht so viel heute“, sagt Gaby. „Aber das, was wir hatten, hat gereicht.“
Habt auch ihr Geschichten von früher?
Etwas, das ihr erlebt habt, das euch bis heute begleitet oder das man einfach nicht vergessen sollte? Gerne ganz allgemein – oder mit Bezug zu Herzebrock‑Clarholz und seinen Bauernschaften.
Schickt uns eure Erinnerungen per E‑Mail an heimat@herzeblog.de oder ruft uns an unter 05245/921088. Keine Scheu – wir freuen uns auf jede Geschichte. Ob groß oder klein, ausführlich oder nur als Notiz.