Herzebrock im Wandel – Ein halbes Jahrhundert Ortsgeschichte im Spiegel alter Fotografien bei den Männer aktiv | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Wie sehr hat sich Herzebrock verändert – und was erinnert noch an früher? Ein vollbesetzter Saal, ein leidenschaftlicher Heimatforscher und über fünf Jahrzehnte Ortsgeschichte im direkten Vorher‑Nachher‑Vergleich: Beim Bildervortrag von Helmut Kintrup wurde Herzebrocks Vergangenheit lebendig. Viele Gebäude existieren nicht mehr, andere prägen den Ort bis heute – und manche Geschichten kamen erst durch das Publikum wieder ans Licht.

Herzebrock im Wandel – Ein halbes Jahrhundert Ortsgeschichte im Spiegel alter Fotografien bei den Männer aktiv

Herzebrock im Wandel

Wie sehr kann sich ein Ort in fünf Jahrzehnten verändern – und wie viel bleibt dennoch vertraut? Dieser Frage widmete sich heute Morgen die Gruppe Männer Aktiv in der evangelischen Kirche an der Bolandstraße. Fast 100 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um mit einem echten „Ur‑Herzebrocker“ auf Zeitreise zu gehen: Helmut Kintrup, gebürtiger Quenhorner und seit vielen Jahren in Herzebrock zuhause, präsentierte seine außergewöhnliche Sammlung historischer Ortsaufnahmen.

Ein Blick zurück – und ein Blick nach vorn

Kintrup, der sich „immer schon für Geschichte interessiert“ und viel gelesen habe, stieß vor zwei Jahren eher zufällig auf den Bildband Herzebrock – früher und heute aus dem Jahr 1990. Die alten Fotos ließen ihn nicht mehr los. Er digitalisierte die Aufnahmen, suchte die heutigen Perspektiven auf und stellte sie gegenüber. Aus dieser Gegenüberstellung entstand die Idee für den Lichtbildervortrag – und ein eindrucksvolles Dokument des Wandels.

Zu jedem Foto erzählte Kintrup kleine Geschichten: von verschwundenen Gebäuden, veränderten Straßenzügen, von Handwerk, Handel und Gaststätten, die einst das Ortsbild prägten. Viele der Anwesenden nickten, lachten oder staunten – und manche erkannten Orte wieder, an denen sie selbst aufgewachsen waren.

Was Herzebrock prägte – und was verschwunden ist

Die Bilderschau führte durch nahezu alle Ecken des alten Herzebrock. Zu sehen waren unter anderem:

  • B64 und Gütersloher Straße mit vielen heute abgerissenen Häusern, darunter das alte Miele-Haus (heute Sieweke), die erste Apotheke, die Fleischerei Nordhorn (Abbruch 2006), die alte Mühle und der Gasthof Heinermann.

  • Bahnhof Herzebrock, Zumbusch-Haus, Postweg, Uthofstraße, Amtshaus und zahlreiche Handwerksbetriebe, die früher das Ortsleben bestimmten.

  • Altes Krankenhaus, Kolpinghaus, Josefschule und der Kirchplatz, der einst Marktplatz war – mit Geschäften und altem Friedhof.

  • Traditionsreiche Betriebe wie Firma Füchtenkort, Schreibwaren Heinermann, Blumen Studio Pollkötter (Abbruch 1979), Firma Ottensarndt (Abbruch 1980), Piening (Abbruch 1983), Brill (Abbruch 2009), Disselkamp (Abbruch 1984), Venherm (Abbruch 2010) und viele mehr.

  • Höfe und Mühlen wie Hof Südhof (Abbruch 1991), Dombrinks Mühle (Abbruch 1995), Hof Feldmann Huster (Abbruch 2015).

  • Gasthöfe: Gathof Wortmeier (Abbruch 1959), Gasthof Hülsmann, Großkopff, Imbiss Heinermann am Bahnhof, Brocker Mühle und Gildestube.

  • Das Postamt an der Bahnhofstraße, die Molkerei an der B64 (Abbruch 1984), die Gärtnerei Reckord, Eusterhus, Haus Ahlke, Haus Herlage, das alte Wasserwerk und das „Scharfe Eck“.

Immer wieder hörte man aus dem Publikum Erinnerungen wie: „Da wurde ich geboren!“, „Da haben wir früher eingekauft.“ oder „Die Pommes waren die besten!“. Ein Zuschauer brachte es zum Handwerk auf den Punkt: „Wer damals bauen wollte, musste in die Meisterstunde in die Kneipe.“

Vom Dorfleben früher – und dem, was heute fehlt

Der Vortrag zeigte eindrücklich, wie sehr sich das soziale Leben verändert hat. Entlang der Gütersloher Straße gab es früher eine Vielzahl an Handwerksbetrieben und Gaststätten. Sie waren Treffpunkte, Orte des Austauschs, manchmal auch der Geselligkeit nach getaner Arbeit.

Ein Besucher erzählte, wie man früher mit der Kutsche vom Hof zur Mühle im Ort fuhr – und während die Mühle arbeitete in der Kneipe einkehrte. Den Heimweg fanden die Pferde dann oft allein, wenn der Fahrer zu tief ins Glas geschaut hatte.

Auch größere Einschnitte wurden sichtbar: Die Flughafenerweiterung in Marienfeld in den Jahren 1935 bis 1937 führte zum Abriss von rund zehn Bauernhöfen.

Zum Abschluss zeigte die Gruppe noch das Video der 1100‑Jahrfeier Herzebrocks – ein weiterer Blick in die Geschichte. Das Video ist online im Herzeblog-Kanal abrufbar:

Wie bei Männer Aktiv üblich, klang der Vormittag bei Bratwurst und Getränken aus – mit vielen Gesprächen über das, was Herzebrock einmal war, und darüber, wie der Ort sich weiter verändern wird.

Viele der gezeigten Gebäude existieren nicht mehr, andere stehen kurz vor dem Abriss. Doch der Vortrag machte deutlich, wie lebendig die Erinnerungen an diese Orte geblieben sind.

Lasst uns diese Erinnerungen auch digital bewahren. Schickt uns eure Fotos alter Gebäude und Feste – gerne mit oder ohne eure persönlichen Geschichten – an foto@herzeblog.de.

Ihr seid unsicher, wie ihr alte Abzüge oder Dias digitalisieren könnt? Kein Problem. Ruft uns einfach unter 05245 / 921088 an, wir helfen euch weiter.