Erzähl mal! – Aufgewachsen auf dem Land: Eine Kindheit zwischen Hof, Feld und Fahrrad | Aktuelle Nachrichten und Informationen

In unserer Reihe „Erzähl mal!“ blickt Helmut Volmer auf seine Kindheit in der Bauernschaft zurück – auf Hofleben, harte Arbeit, Schneeberge, Fahrradtouren und einfache Spiele draußen. Er hat dafür sein Fotoalbum geöffnet. Den ganzen Artikel gibt es auf Herzeblog.de.

Erzähl mal! – Aufgewachsen auf dem Land: Eine Kindheit zwischen Hof, Feld und Fahrrad

Kindheit früher: Helmut Volmer erzählt von Hofleben, Schule und einfachen Abenteuern

In unserer Reihe „Erzähl mal!“ teilen Menschen aus Herzebrock‑Clarholz Erinnerungen an früher – an ein Leben, das einfacher war, aber voller Gemeinschaft, Arbeit und kleiner Abenteuer. Dieses Mal erzählt uns Helmut Volmer von seinen Erinnerungen und hat dafür in seinem Fotoalbum nachgeschaut.

Ein Zuhause mit Tieren, Feldarbeit und langen Tagen

Das Zuhause war ein kleiner Hof, auf dem es von allem ein bisschen gab: Kühe, Kälbchen, Schweine, Sauen, Ferkel, Hühner – manchmal sogar kleine Küken. Der Vater arbeitete auswärts, doch auf dem Hof packten alle mit an: Familie, Nachbarn, Freunde. Arbeitstage hatten selten nur acht Stunden.

Im Herbst an Allerheiligen wurden die Kartoffeln in den tiefen Keller getragen, wo sie den Winter über lagerten – und am Karfreitag wieder hervorgeholt wurden. Überhaupt gab es im Winter viel öfter und mehr Schnee als heute. Es waren oft Schneeverwehungen mit kleinen „Lawinen“, vor allem in den Gräben vorhanden.

Kindheit draußen: Hütten, Knicker und Kaulquappen

Gespielt wurde draußen – immer. Ein Ball, ein paar Knicker, Stöcker und Äste im Wald reichten völlig aus. Es wurden Hütten aus Stöckern und Ästen im Wald gebaut oder im Graben nach Kaulquabben gesucht. Später gab es ein Fahrrad, mit dem man in der Nachbarschaft unterwegs war. Es ging über den „Kamp“ zu Hunkenschröders, wo befreundete Kinder gleichen Alters zuhause waren.

Bei schlechtem Wetter kamen Kartenspiele (Autoquartett, Maumau ect.) auf den Tisch, Schiffe versenken wurde gespielt und sogar schon fernsehen konnte man dort. Einen Fernseher hatten nur betuchte Leute.

Samstag: Arbeit, Badetag und Bundesliga

Der Samstag war kein freier Tag. Vormittags wurde gearbeitet, in der Landwirtschaft oder im Beruf. Die Geschäfte hatten nur bis Mittag geöffnet. Und samstags war Badetag. Nachmittags wurde ich als Kind von meiner älteren Schwester in einer Zinkbadewanne gewaschen. Ein Bad wie heute mit Dusche und Wanne gab es noch nicht. Zum Abendessen gehörte nur an diesem Tag der warme Kakao mit Schmandhaut oben drauf dazu. Köstlich.

Später kam am Samstagnachmittag oft der fußballbegeisterte Bruder mit seinen Kindern auf den Hof, um am Fernsehen die Bundesligaspiele anzuschauen. Das war ein Ritual. Selber hatte er noch keinen Flimmerkasten.

Schule ohne Bus – und mit Rohrstock

In den Kindergarten brauchte ich nicht, weil ich auf dem Land wohnte und der Weg zu weit war. Die Schulzeit war eingeteilt in Grundschule und danach Volksschule. Beides fand in der Josefsschule statt. Bis zum Wechsel im 8. Schuljahr in die von-Zumbusch-Hauptschule, welche dann fertig gestellt war.

Der Wechsel in eine höhere Schule war mir vom Vater verwehrt worden. „Der Junge muss Bauer werden, da braucht er das nicht“ war die Argumentation. In der Grundschule war der Klassenlehrer Herr Kaufmann. Es gab auch manchmal etwas von ihm mit dem Rohrstock in die Hand. Trotzdem war er ein guter Lehrer, welchen ich nach der Pensionierung öfter traf und mit ihm nett unterhielt. Frau Lück war die Klassenlehrerin in der Volksschule danach und Herr Bertermann in der Hauptschule.

Mehrtägige Klassenfahrten führten meistens in eine Jugendherberge. Aber auch Tageswanderungen standen auf dem Programm. Nur bei gutem Wetter. Damals gab es auch noch hitzefrei bei hohen Temperaturen.

Mobilität damals: Käfer, Fahrrad und Mofa

Der Schulweg aus der Bauernschaft wurde nicht wie heute mit dem Bus zurückgelegt, sondern mit dem Fahrrad. Eine Begebenheit bleibt mir in Erinnerung: In der ersten Klasse fuhr ich mit der Nachbarstochter mit dem Rad zur Schule. Dabei verursachte in einen kleinen Unfall: Irgendwie fuhr ich ihr ins Rad, wir kamen beide zu Fall. Passiert ist weiter nichts, aber es gab danach Zuhause böse Worte.

Als ich zwei Jahre alt war, gab es den ersten VW-Käfer auf dem Hof. Der Vater und die Mutter hatten keinen Führerschein. Das war damals noch nicht üblich. Aber der ältere Bruder hatte einen. Er musste dann immer chouffieren. Die meisten Wege wurden jedoch mit dem Fahrrad zurückgelegt. Es waren Wege in die nähere Umgebung. Falls es wirklich mal weiter war, wurden Bus und Bahn benutzt. Da der Bahnhof Herzebrock über drei Kilometer entfernt war, kamen Gäste zu Fuß vom Bahnhof nach Hause.

Mit 16 kam die erste Hercules‑Mofa – und damit ein Stück Freiheit. Freunde hatten auch so ein Teil. Das gehörte dann dazu, man war etwas beweglicher als mit dem Rad.

„Es war eine schöne Zeit – nur ganz anders als heute“

Die Erinnerungen zeigen ein Leben, das geprägt war von Arbeit, Zusammenhalt, Natur und einfachen Freuden. Vieles war beschwerlicher, manches strenger – aber es war eine Zeit voller Erlebnisse, die bis heute warm im Gedächtnis geblieben sind.

Habt auch ihr Geschichten von früher?

Etwas, das ihr erlebt habt, das euch bis heute begleitet oder das man einfach nicht vergessen sollte? Gerne ganz allgemein – oder mit Bezug zu Herzebrock‑Clarholz und seinen Bauernschaften.

Schickt uns eure Erinnerungen per E‑Mail an heimat@herzeblog.de oder ruft uns an unter 05245/921088. Keine Scheu – wir freuen uns auf jede Geschichte. Ob groß oder klein, ausführlich oder nur als Notiz.