Internationaler Frauentag: Warum Gleichstellung unsere Region stärkt | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Zum Internationalen Frauentag betonen die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Gütersloh: Gleichstellung ist ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Stärke, soziale Stabilität und demokratische Teilhabe. Faire Bezahlung, verlässliche Betreuung und gleiche Chancen verbessern Lebensqualität – und stärken die Region nachhaltig.

Internationaler Frauentag: Warum Gleichstellung unsere Region stärkt

Internationaler Frauentag am 8. März: Gleichstellung der Geschlechter zahlt sich aus

„Gleichstellung der Geschlechter ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein zentraler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Erfolgsfaktor“, sagt Ulrike Brunneke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Versmold. Wo Chancengleichheit konsequent gefördert werde, steigen Produktivität und Innovationskraft, soziale Stabilität werde gestärkt – und die Lebensqualität verbessere sich für alle. Brunneke ergänzt: „Gleichstellung ist eine Investition, die sich rechnet – für Familien, für Unternehmen und für die Region.“ Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März machen die Gleichstellungsbeauftragten aus dem Kreis Gütersloh darauf aufmerksam. Zudem finden viele thematisch passende Veranstaltungen statt.

Wie relevant das Thema auch im Kreis Gütersloh ist, zeigen Zahlen aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Im Januar waren 46,1 Prozent der Arbeitslosen Frauen. Der Anteil von Frauen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im vergangenen Jahr bei 40 Prozent. Bei den Minijob-Beschäftigten betrug der Anteil von Frauen fast 56 Prozent.

„Eine gut ausgebaute, verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuung ermöglicht Elternteilen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, ohne familiäre Verantwortung und Beruf gegeneinander ausspielen zu müssen“ erläutert Inge Trame, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh. Gute Betreuungsangebote erhöhen insbesondere die Erwerbsbeteiligung von Frauen und sichern zugleich dringend benötigte Fachkräfte für den Arbeitsmarkt. Ökonomische Unabhängigkeit kann außerdem Betroffenen von Partnerschaftsgewalt den Ausstieg aus gewaltgeprägten Beziehungen erleichtern. „Darüber hinaus braucht es eine faire Entlohnung in Berufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden – etwa in Sozial-, Dienstleistungs- und Gesundheitsberufen“, ergänzt Trame. Diese Tätigkeiten sind gesellschaftlich unverzichtbar, werden jedoch häufig schlechter bezahlt. Höhere Löhne bedeuten nicht nur mehr Anerkennung, sie wirken auch dem Fachkräftemangel entgegen und stärken die Kaufkraft vor Ort.

„Verlässliche Betreuung und faire Bezahlung sind keine Randthemen: Sie entscheiden darüber, ob Menschen existenzsichernd arbeiten können – und ob Fachkräfte in der Region bleiben“, betont Trame.

Im Zuge einer Familiengründung wird häufig entschieden, wer Erwerbsarbeit reduziert, um Betreuung zu organisieren. Wenn Einkommen ungleich verteilt sind, übernehmen diese Reduktion noch immer überdurchschnittlich oft Frauen. Das kann langfristige Einkommens- und Rentennachteile nach sich ziehen und die ökonomische Unabhängigkeit schwächen.

Die Gleichstellungsbeauftrage ergänzt: „Verdienst, faire Bezahlung und Kinderbetreuung hängen eng zusammen. Sie sind politische Stellschrauben, an denen sich zeigt, wie gut Gleichstellung in der Praxis gelingt. Im EU-Vergleich liegt Deutschland dabei nicht an der Spitze – es gibt weiterhin deutliches Verbesserungspotenzial.“

Wenn Elternteile ähnlich verdienen, lassen sich Erwerbs- und Sorgearbeit leichter partnerschaftlich teilen. Teilzeitmodelle für beide Elternteile, solange Kinder Betreuung benötigen, können ausgewogenere Rollenbilder fördern, Einkommensnachteile reduzieren und die Einbindung von Vätern sowie anderen Sorgepersonen stärken. Davon profitieren nicht nur Eltern, sondern auch Kinder.

Angela Wüllner, Gleichstellungsbeauftragte beim Kreis Gütersloh, ergänzt: „Gleichstellung zahlt sich auch demokratiepolitisch aus: Wenn kommunale Parlamente die Bevölkerung ausgewogener abbilden, fließen mehr Perspektiven in Entscheidungen ein – etwa zu Betreuung, Sicherheit, Mobilität, Wohnen und Arbeit.“ Im Kreis Gütersloh ist der Frauenanteil in den Kommunalparlamenten zuletzt leicht zurückgegangen: Er liegt bei 31,4 Prozent (174 von 555 Mandaten). Das entspricht einer Veränderung von minus 2,4 Prozentpunkten. In den einzelnen Kommunen zeigen sich dabei unterschiedliche Entwicklungen – während der Anteil in einigen Räten gestiegen ist, fällt er in anderen deutlich.

„Eine ausgewogene Repräsentation ist wichtig – politische Entscheidungen profitieren von vielfältigen Perspektiven“, lautet die Einordnung der Gleichstellungsbeauftragten. Ziel bleibt es, Rahmenbedingungen und Angebote zu stärken, die mehr Menschen – insbesondere Frauen – für kommunalpolitisches Engagement gewinnen und beim Einstieg unterstützen. Paritätische Besetzung ist damit ein wichtiger Hebel, damit Gleichstellung im Alltag spürbar wird und sich langfristig auszahlt – gesellschaftlich, wirtschaftlich und demokratisch.

„Gleichstellung der Geschlechter zahlt sich aus: Sie ist eine Investition in Familien, in Kinder und in eine faire, nachhaltige Zukunft.“ Auf diese Zusammenhänge machen die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Gütersloh mit vielfältigen Veranstaltungen in den Märzwochen aufmerksam. Einen Überblick über alle Termine bietet das Online-Portal pia-online.eu oder www.frauenkalender-gt.de.