Leben mit Rheuma: Kleine Veränderungen können den Alltag erleichtern | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Steife Gelenke am Morgen, Schmerzen bei alltäglichen Handgriffen und schnelle Erschöpfung: Rheuma beeinflusst das Leben vieler Betroffener. Mit regelmäßiger Bewegung, gelenkschonenden Gewohnheiten und gezielter Unterstützung lassen sich Beschwerden oft lindern und Selbstständigkeit sowie Lebensqualität erhalten.

Leben mit Rheuma: Kleine Veränderungen können den Alltag erleichtern

Leben mit Rheuma: Kleine Veränderungen können den Alltag erleichtern

Von Tanja Cordtomeikel

Ein Marmeladenglas öffnen, den Haustürschlüssel drehen oder eine Einkaufstasche tragen: Was für viele Menschen selbstverständlich ist, kann für Rheuma-Betroffene täglich zur Herausforderung werden. Schmerzen, Steifigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit begleiten viele Erkrankte im Alltag. Doch schon kleine Veränderungen und ein bewusster Umgang mit den eigenen Kräften können helfen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Unter dem Sammelbegriff Rheuma werden mehr als 100 unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst. Besonders häufig sind die rheumatoide Arthritis und Arthrose. Während Medikamente Entzündungen eindämmen und Schmerzen lindern können, spielt auch der Alltag eine wichtige Rolle. Wie Gelenke belastet werden, wie Bewegung in den Tagesablauf eingebaut wird und wann Ruhephasen nötig sind, kann spürbaren Einfluss auf das Wohlbefinden haben.

Gelenke schützen und beweglich bleiben

Regelmäßige Bewegung gilt als wichtiger Baustein im Umgang mit Rheuma. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um sanfte und angepasste Aktivitäten. Schon wenige Minuten Bewegung am Tag können helfen, die Gelenke beweglich zu halten und die Muskulatur zu unterstützen.

Zu den einfachen Übungen gehören das langsame Öffnen und Schließen der Hände, das Spreizen der Finger oder sogenannte Daumenkreise, bei denen der Daumen nacheinander jede Fingerkuppe berührt. Auch das Kneten von Therapieknete oder das Bewegen der Hände in einem Linsen- oder Rapsbad kann die Beweglichkeit fördern.

Wichtig ist dabei, die Übungen nur im schmerzfreien Bereich durchzuführen. Bei akuten Entzündungen oder starken Beschwerden sollte die Belastung reduziert werden.

Wärme oder Kälte? Auf die Beschwerden kommt es an

Viele Betroffene fragen sich, ob Wärme oder Kälte bei Rheuma sinnvoller ist. Die Antwort hängt von der jeweiligen Situation ab.

Sind Gelenke geschwollen, gerötet oder überwärmt, kann vorsichtige Kühlung als angenehm empfunden werden. Kühlpacks sollten dabei immer in ein Tuch gewickelt werden und nicht direkt auf der Haut liegen.

Wärme eignet sich dagegen eher bei Morgensteifigkeit, Verspannungen oder nicht entzündeten Gelenken. Eine warme Dusche, ein Handbad oder ein Körnerkissen können in solchen Fällen wohltuend wirken. Bei akuten Entzündungen sollte dagegen auf Wärme verzichtet werden.

Alltag clever organisieren

Oft sind es bereits kleine Anpassungen, die den Alltag deutlich erleichtern. Schwere Taschen sollten möglichst über Schulter oder Unterarm getragen werden, statt die Belastung auf einzelne Finger zu verlagern. Auch das Anheben schwerer Gegenstände mit beiden Händen kann die Gelenke entlasten.

Hilfreich kann es außerdem sein, Aufgaben über den Tag zu verteilen und regelmäßige Pausen einzuplanen. Besonders Menschen mit entzündlichem Rheuma leiden häufig unter starker Erschöpfung, der sogenannten Fatigue. Wer seine Kräfte bewusst einteilt, kann Überlastungen häufig vermeiden.

Auch Hilfsmittel wie Öffnungshilfen für Gläser, rutschfeste Unterlagen oder Besteck mit dickeren Griffen können alltägliche Handgriffe erleichtern.

Auch Kinder können Rheuma bekommen

Was viele nicht wissen: Rheuma ist keineswegs nur eine Erkrankung älterer Menschen. Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Bei der sogenannten juvenilen idiopathischen Arthritis handelt es sich um die häufigste chronisch-rheumatische Erkrankung im Kindesalter.

Warnzeichen können morgendliches Hinken, geschwollene Gelenke oder ein auffälliger Bewegungsmangel sein. Da Kinder Schmerzen häufig anders äußern als Erwachsene, bleibt die Erkrankung manchmal lange unentdeckt. Eltern sollten anhaltende Beschwerden daher ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.

Frühzeitig handeln

Fachleute raten dazu, neu auftretende Gelenkschwellungen, anhaltende Morgensteifigkeit oder überwärmte Gelenke nicht zu ignorieren. Eine frühe Diagnose und Behandlung können helfen, dauerhafte Gelenkschäden zu vermeiden.

Auch Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen wie die Deutsche Rheuma-Liga bieten Informationen, Austausch und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.

Fazit

Rheuma lässt sich zwar nicht heilen, aber behandeln und begleiten. Medikamente, regelmäßige Bewegung und gelenkschonende Alltagsgewohnheiten bilden dabei ein wichtiges Zusammenspiel. Wer auf die Signale seines Körpers achtet und seine Gelenke gezielt entlastet, kann seine Selbstständigkeit und Lebensqualität oft lange erhalten.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.