Inklusion ist ein großes Wort – aber was steckt dahinter?
Von Christina Vredenburg und Cristina Goedtke
Wenn wir über gesellschaftlichen Zusammenhalt und Mitmachen sprechen, geht es um die Frage: Gehören wirklich alle dazu? Oder werden manche Menschen ausgeschlossen?
Was bedeutet Inklusion?
Inklusion heißt: Jeder Mensch ist Teil der Gesellschaft – unabhängig von körperlichen, geistigen oder sozialen Einschränkungen. Es ist das Gegenteil von Ausgrenzung (Exklusion). Inklusion bedeutet mehr Freiheit für alle und macht unsere Gemeinschaft menschlicher.
Der Begriff ist heute vielen bekannt. Das liegt vor allem daran, dass Deutschland 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben hat. Seitdem wird viel über gemeinsame Schulbildung für Kinder mit und ohne Behinderung diskutiert. Diese Debatte hat den Begriff „Inklusion“ bekannt gemacht. Doch Inklusion betrifft viel mehr als nur die Schule.
Zwei Blickwinkel auf Inklusion
Man kann Inklusion aus zwei Perspektiven betrachten:
Pädagogisch: Hier geht es um das Bildungssystem – also Schulen, Kitas, Ausbildung. Inklusion bedeutet, dass alle Kinder gemeinsam lernen können, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung.
Soziologisch: Hier fragt man: Wie funktioniert unsere Gesellschaft? Warum gibt es Ungleichheiten und Hindernisse? Wie können wir diese sichtbar machen und abbauen?
Was bedeutet „Behinderung“ konkret?
Es gibt viele Gründe, warum ein Mensch eine Behinderung hat. Manche Menschen können schlecht laufen und brauchen einen Rollator oder Rollstuhl. Andere haben eine Lernbehinderung und brauchen mehr Zeit oder Unterstützung beim Verstehen. Wieder andere sehen oder hören schlecht – zum Beispiel wegen ihres Alters oder einer Krankheit. Manche Einschränkungen sind sichtbar, andere nicht. Wichtig ist: Jeder Mensch hat das Recht, mitzumachen – egal, welche Beeinträchtigung er oder sie hat.
Wer „behindert“ eigentlich wen?
Oft liegt es nicht an der Person selbst, sondern an der Umwelt: Treppen ohne Rampen, fehlende Informationen, unpassende Angebote. Die Gesellschaft schafft Hindernisse – und macht Teilhabe schwer oder unmöglich. Inklusion funktioniert nur, wenn wir auch über Ausgrenzung sprechen.
Menschen werden oft ausgeschlossen – zum Beispiel durch Armut, Krankheit oder fehlende Unterstützung. Wenn jemand in einem Bereich nicht mitmachen kann (z. B. Schule, Arbeit, Freizeit), wirkt sich das auch auf andere Lebensbereiche aus.
Inklusion in Herzebrock-Clarholz – Was wir gemeinsam tun können
Inklusion beginnt direkt vor unserer Haustür. In Herzebrock-Clarholz können wir alle dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderung besser teilhaben können. Ob als Gemeinde, als Einzelperson oder im Verein: Jeder Schritt zählt.
Was kann die Gemeinde tun?
Barrierefreie Infrastruktur: Öffentliche Gebäude, Bushaltestellen, Spielplätze und Veranstaltungsorte müssen für alle zugänglich sein
Inklusive Kommunikation: Informationen müssen in verständlicher Sprache bereitgestellt werden
Sensibilisierung fördern: Schulungen für Mitarbeitende in Verwaltung, Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen helfen, Barrieren zu erkennen und abzubauen.
Was kann jede*r Einzelne tun?
Hinschauen statt wegsehen: Wer merkt, dass jemand Hilfe braucht – beim Einkaufen, auf dem Gehweg oder bei Veranstaltungen – kann freundlich Unterstützung anbieten.
Sprache bewusst wählen: Einfache, klare Sprache hilft vielen Menschen – nicht nur mit Lernschwierigkeiten.
Vorurteile abbauen: Offenheit und Interesse sind der Schlüssel. Wer fragt, lernt – und wer zuhört, versteht.
Mitdenken im Alltag: Ist mein Verein, mein Geschäft, mein Angebot auch für Menschen mit Einschränkungen nutzbar?
Was können Vereine und Gruppen bewegen?
Inklusive Angebote schaffen: Sport, Musik, Ehrenamt – überall können Menschen mit Behinderung mitmachen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Gemeinsame Aktionen planen: Feste, Workshops oder Projekte, bei denen alle mitgestalten können, stärken das Miteinander.
Kooperationen nutzen: Zusammenarbeit mit Schulen, Pflegeeinrichtungen oder Selbsthilfegruppen bringt neue Perspektiven und Ideen.
Vorbild sein: Vereine, die Inklusion leben, inspirieren andere – und zeigen, wie einfach Teilhabe sein kann.
Warum Inklusion wichtig für die Gesundheit ist
Wer dauerhaft ausgeschlossen wird, kann krank werden – vor allem seelisch. Teilhabe ist also nicht nur ein gesellschaftliches Ziel, sondern auch wichtig für unser Wohlbefinden.
Fazit: Inklusion heißt Veränderung – für uns alle
Inklusion ist mehr als das „Mitlaufenlassen“ von Minderheiten. Sie bedeutet, dass sich die Gesellschaft verändert – damit wirklich alle dazugehören. Denn Ausgrenzung kann jeden treffen: durch Krankheit, Alter, einen Unfall oder schwierige Lebenslagen. Niemand ist davor geschützt, irgendwann selbst auf Unterstützung angewiesen zu sein.
Auch wir möchten doch weiterhin Teil der Gesellschaft sein – mitgestalten, dazugehören, gesehen werden. Deshalb ist Inklusion nicht nur ein Thema für „die anderen“, sondern für uns alle.
In Herzebrock-Clarholz haben wir viele Möglichkeiten, diesen Wandel gemeinsam zu gestalten. Denn eine inklusive Gemeinde ist eine starke Gemeinde – für heute und für morgen.