Personalmangel in der Gastronomie: Viele Mitarbeiter haben die Branche verlassen, mit regionalen Konsequenzen

Die Gastronomie durfte nach Monaten im Lockdown zwar wieder öffnen, doch viele Arbeitgeber konnten ihren Betrieb nur eingeschränkt wieder aufnehmen. Der Grund: Ihnen fehlt das Personal.

Personalmangel in der Gastronomie: Viele Mitarbeiter haben die Branche verlassen, mit regionalen Konsequenzen

Die Gastronomie hat bereits seit Jahren Probleme Mitarbeiter zu finden, Corona und ein lokaler Versandriese haben unter anderem dazu beigetragen.

Nur der Corona-Krise daran Schuld zu geben, ist eine zu einseitige Betrachtung.

Für Viele gilt die Branche nach der Corona-Krise nicht mehr als krisenbeständig. Die Gastrojobber sind dorthin gegangen, wo sie gebraucht wurden – in die Gesundheitsämter, in Corona-Testzentren oder zu einem Versandriesen im Industriegebiet AUREA. Bessere Arbeitszeiten und bessere Bezahlung sind nur ein paar Faktoren.

Doch wir sehen noch ein weiteres Problem. Früher jobbten Schüler und Studenten gerne in der Gastronomie, um sich ihr Taschengeld aufzubessern. Heute sieht das etwas anders aus: Viele Jugendliche und junge Erwachsene wollen oder können gar nicht mehr arbeiten, da sie durch ihre Eltern meist alles finanziert bekommen. Und wenn sich ein Neuling in einen gastronomischen Betrieb verirrt hat, dann scheitert es oft an der tatsächlichen Arbeitsbereitschaft der Mitarbeiter. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Das Gastgewerbe in Deutschland kämpft seit Jahren mit sinkenden Zahlen an Auszubildenden. Viele Ausbildungsplätze in Gastronomie, Hotellerie und Gastgewerbe bleiben unbesetzt. Somit fehlt auch das zukünftige Fachpersonal.

Nikos Zafiris, Inhaber vom Restaurant Athen am Kirchplatz in Herzebrock, sucht auch schon seit längerem weiteres Personal. Leider mit der Konsequenz, dass er am überlegen ist, weniger Tische aufzustellen, damit er die Gäste mit dem vorhandenen Personal auch bedienen kann. So geht es vielen Gastronomen, nicht nur in Herzebrock-Clarholz.

Ein weiteres Problem: Kundenerwartungen nach Corona

Die Gastronomie, Caterer oder auch der Einzelhandel kennen das Problem: Kunden sind oft sehr unfreundlich oder haben falsche Erwartungen an Service und Angebote. Die Kunden erwarten eine kurzfristige Übernahme von Feiern oder Bestellungen und reagieren dann unfreundlich, wenn zwei Tage vorher keine Bierzeltgarnituren oder Kühlboxen verfügbar sind.

Nicht selten bekommen Verkäufer oder Bedienungen zu hören, man sollte froh sein, dass man als Kunde überhaupt ins Lokal oder Geschäft käme. Dann könnten sie doch auch schneller auf Bestellungen reagieren. Wenn dann steigende Kosten als Preiserhöhungen an Kunden weitergegeben werden, hört das Verständnis bei einigen Kunden ganz auf.

Marc Wöstheinrich, Inhaber vom Catering-Anbieter Love Kitchen geht sogar soweit, dass er aufgrund des ständigen Personalmangels sein Unternehmen verkaufen möchte, gerne auch schon zu sofort.

Bei uns werden in Zukunft bestimmt auch noch mehr Lokale schließen müssen, ob aufgrund von Personalmangel oder fehlenden Nachfolgern. Hoffen wir auf mutige Gastronomen, die bereit sind, sich dem Abwärtstrend entgegen zu stellen.

Wir wollen auch in Zukunft hier vor Ort noch Pommes, Burger, Schnitzel, Gyros, Pizza, Döner und vieles mehr Essen können. Oder auch einfach nur ein Bierchen trinken gehen. Denn ohne Personal gibt es keine Gastronomie, also auch kein Bier.

Beerdigungskaffee bald nur noch privat in ganz kleiner Runde?

Vielen von Euch ist es vielleicht nicht aufgefallen, da aufgrund von Corona nicht mehr viele Feiern stattgefunden haben, aber es gibt leider immer weniger Möglichkeiten im Gemeindegebiet groß zu feiern.

Ein besonders großes Problem stellt hier der Beerdigungskaffee dar. Hier hat man leider nicht große Vorlaufzeiten, um die traurige Feier zu organisieren. Wenn Ihr dann die Gastronomen der Gemeinde anruft, bekommt Ihr leider fast nur noch zu hören, dass Beerdigungskaffee im Lokal nicht mehr angeboten wird, aufgrund von Personalmangel oder auch weil einfach zu aufwendig.

Vielleicht können Vereine mit Vereinsheimen in Herzebrock-Clarholz ja ihre Räumlichkeiten vermieten. Dann können Schnittchen und Kuchen bei örtlichen Bäckereien bestellt werden, vielleicht sogar mit Kaffeeservice. Oder es bilden sich Gruppen, die (ehrenamtlich) einen Kaffeeservice im Trauerfall anbieten. Ganz unbürokratisch vor Ort. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei uns melden.

Wir hoffen hier zusammen mit der Gemeinde und den Vereinen zukünftig eine Lösung zu finden, damit nicht eine so wichtige Tradition an Bedeutung verliert.

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