Die Welt im Krisenmodus: Was können Jugendliche verändern?
(cv) Was braucht Frieden heute? Mit dieser Frage beschäftigten sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler beim Jugend-Konvent der Westfälischen Friedenskonferenz in der Aula des Einstein-Gymnasiums Rheda-Wiedenbrück. Veranstaltet wurde die Diskussion von der Westfälischen Gesellschaft für Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft (WWL) und der Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl in Kooperation mit dem Einstein-Gymnasium Rheda-Wiedenbrück und der Janusz-Korczak-Gesamtschule Gütersloh.
Zur Eröffnung sorgte der OLEE-Chor des Einstein-Gymnasiums für den musikalischen Auftakt. Mit seinem Beitrag stimmte er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer musikalisch auf die anschließenden Diskussionen rund um Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.
Zum Auftakt präsentierten Schülerinnen und Schüler beider Schulen in einem selbst produzierten Video ihre Gedanken zum Thema Frieden. Dabei wurde deutlich, dass Frieden für die Jugendlichen weit mehr bedeutet als die bloße Abwesenheit von Krieg. Frieden bedeute auch Meinungsfreiheit, gegenseitigen Respekt und die Möglichkeit, unterschiedliche Ansichten zu äußern und gehört zu werden.
Einen weiteren Impuls lieferte die Israel-AG des Einstein-Gymnasiums. Die Schülerinnen und Schüler spannten einen Bogen vom Westfälischen Frieden des Jahres 1648 zu den Herausforderungen des Jahres 2026. Dabei machten sie deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen zwar grundlegend verändert haben, die zentralen Fragen jedoch dieselben geblieben sind: Wie können Konflikte beendet, Frieden gesichert und unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang gebracht werden? Der Vergleich zeigte eindrucksvoll, dass die Prinzipien von Dialog, Verhandlung und gegenseitigem Verständnis auch fast 400 Jahre nach dem Westfälischen Frieden nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Begrüßt wurden die Gäste von den Veranstaltern Dr. André Vielstädte, Geschäftsführer der WWL, sowie Christoph Dammermann, Geschäftsführer der Stiftung Westfalen-Initiative. Beide betonten die Bedeutung des Dialogs zwischen den Generationen und die Verantwortung junger Menschen für die Gestaltung einer friedlichen Gesellschaft.
Für den historischen Einstieg sorgte anschließend Lena Meier aus der Jahrgangsstufe Q2 des Einstein-Gymnasiums. In ihrem Vortrag erinnerte sie an die Bedeutung des Westfälischen Friedens von 1648. Viele Menschen wüssten zwar vom Westfälischen Frieden, hätten jedoch kaum noch vor Augen, dass der Dreißigjährige Krieg auch die Region Westfalen nachhaltig geprägt habe. Anhand der historischen Ereignisse zeigte sie auf, wie jahrelange Verhandlungen in Münster und Osnabrück letztlich zu einer Friedensordnung führten, deren Grundgedanken bis heute aktuell sind.
Schulleiter Jörg Droste begrüßte die Gäste in der Aula und unterstrich die Bedeutung solcher Begegnungen. Gerade in einer Zeit internationaler Krisen sei es wichtig, jungen Menschen Raum für Diskussionen und eigene Perspektiven zu geben. Frieden und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssten immer wieder neu gestaltet und verteidigt werden.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Kirche, Politik, Medien und Bundeswehr. Auf dem Podium diskutierten Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, die Journalistin Nicole Diekmann sowie Hauptmann Frank Sprick, Jugendoffizier der Bundeswehr aus Augustdorf.
Anna-Nicole Heinrich zeigte sich beeindruckt vom Interesse und Engagement der Jugendlichen. „Es ist toll zu sehen, dass sich Jugendliche engagieren und sich intensiv mit diesen Themen auseinandersetzen“, sagte sie. Frieden beginne nicht erst auf internationaler Ebene, sondern im alltäglichen Umgang miteinander, in gegenseitigem Respekt und in der Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Prof. Dr. Andreas Pinkwart hob die Bedeutung von Diplomatie hervor. Mit Blick auf aktuelle Konflikte warb er für mehr Dialogbereitschaft und internationale Zusammenarbeit. Angesichts moderner Waffensysteme sei die Menschheit heute in der Lage, die Welt mehrfach zu zerstören. Umso wichtiger sei es, Gesprächskanäle offenzuhalten und Konflikte nicht weiter eskalieren zu lassen. „Man muss zum Telefonhörer greifen und miteinander sprechen, um Lösungen zu finden“, betonte Pinkwart. Friedensprozesse seien oft langwierig, aber ohne Gespräche und Kompromissbereitschaft nicht denkbar.
Die Journalistin Nicole Diekmann richtete den Blick auf die digitale Welt. Das Internet und soziale Netzwerke eröffneten enorme Möglichkeiten für Information, Vernetzung und gesellschaftlichen Austausch. Gleichzeitig könnten sie jedoch auch zur Verbreitung von Hass, Desinformation und Polarisierung beitragen. „Das Internet und Social Media sind großartige Möglichkeiten für Information und Kommunikation, bringen aber auch Risiken und Gefahren mit sich“, betonte sie. Gerade deshalb sei Medienkompetenz heute wichtiger denn je.
Aus Sicht der Bundeswehr sprach Hauptmann Frank Sprick über Sicherheit und Verteidigung. Dabei machte er deutlich, dass die Streitkräfte nicht für Angriffskriege stünden. „Die Bundeswehr ist eine Armee zur Verteidigung, wenn es nötig ist. Wir wollen keinen Krieg anfangen“, sagte er. Sicherheit sei eine wichtige Voraussetzung für Frieden, könne diesen jedoch allein nicht garantieren. Frieden bleibe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Im weiteren Verlauf konnten die Schülerinnen und Schüler über eine digitale Abstimmung eigene Themen und Fragen einbringen. Besonders stark interessierte sie die Frage, welchen Beitrag Jugendliche selbst zum Frieden und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten können. Dabei wurde deutlich, dass viele junge Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv für Demokratie, Respekt und Zusammenhalt einzusetzen.
Zum Abschluss der Veranstaltung öffnete im Foyer des Einstein-Gymnasiums der „Markt der Möglichkeiten“ seine Türen. Dort präsentierten verschiedene Vereine, Organisationen und Initiativen ihre Arbeit und zeigten Wege auf, wie sich junge Menschen gesellschaftlich engagieren können. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren, Kontakte zu knüpfen und mit den Ausstellern ins Gespräch zu kommen.
Der Jugend-Konvent machte deutlich, dass das Interesse am Thema Frieden bei den Jugendlichen groß ist. Viele wollen Verantwortung übernehmen und sich für Demokratie, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung, dass sich viele junge Menschen mehr Orientierung und konkrete Möglichkeiten wünschen, um selbst aktiv etwas für Frieden und ein gelungenes Miteinander bewirken zu können. Damit wurde deutlich: Frieden beginnt nicht nur auf internationaler Ebene, sondern im täglichen Handeln jedes Einzelnen.