Erntekrone als Zeichen der Wertschätzung für die Landwirtschaft übergeben
Das Binden der Erntekrone steht für Tradition, Gemeinschaft und ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für die Landwirtschaft. Gemeinsam haben die landwirtschaftlichen Ortsverbände Herzebrock und Clarholz sowie die Landfrauen beider Ortsteile die diesjährige Erntekrone für die Gemeinde Herzebrock-Clarholz gebunden. Die Arbeiten fanden auf dem Hof von Ludger Topp-Tegelmeister in Clarholz statt. Anschließend wurde die Krone symbolisch an Bürgermeister Marco Diethelm übergeben.
Die Ähren für die diesjährige Erntekrone stammen von Ludger Topp-Tegelmeister. Mit der Übergabe möchten die Beteiligten nicht nur die Ernte würdigen, sondern auch den Kontakt zwischen Landwirtschaft und Gemeindeverwaltung pflegen. Die Krone steht symbolisch für die Arbeit der Bauernfamilien und erinnert daran, dass die Versorgung mit Lebensmitteln keine Selbstverständlichkeit ist.
„Das Brötchen kommt nicht einfach so auf den Tisch“, betonten die Vertreter der Landwirtschaft. Gerade deshalb sei es wichtig, sich bewusst zu machen, welche Arbeit hinter den Lebensmitteln steckt und unter welchen Bedingungen diese erzeugt werden.
„Die Erntekrone wird bestimmt schon seit 35 Jahren gebunden“, erinnert sich Agnes Topp. Die Übergabe der Krone gehört damit seit Jahrzehnten zu den festen Traditionen in Herzebrock-Clarholz. Üblicherweise wird die Erntekrone nach der symbolischen Übergabe im Rathaus der Gemeinde aufgestellt. Da das Rathaus derzeit abgerissen wird und ein Neubau entsteht, findet die Krone in diesem Jahr ihren Platz im Bürgerbüro in Herzebrock.
Die Tradition wird jedes Jahr im Wechsel zwischen Herzebrock und Clarholz gepflegt. Auch die Kirchengemeinden werden zum Erntedankfest wieder mit Erntekronen geschmückt. Die Erntekrone für die Pfarrkirche St. Christina in Herzebrock wird traditionell am Mittwoch vor Erntedank aufgehängt. In der Pfarrkirche St. Laurentius in Clarholz findet die Erntekrone am Samstag vor dem Erntedankfest ihren Platz. An der Gestaltung der Kronen beteiligen sich vor Ort Landjugend, Landfrauen und die landwirtschaftlichen Ortsverbände.
Für die Landfrauen steht die Erntekronenaktion stellvertretend für ihr vielfältiges Engagement im Dorfleben. Die Ortsgruppe Herzebrock zählt derzeit rund 150 Mitglieder, die Ortsgruppe Clarholz etwa 115. Dabei richten sich die Angebote nicht ausschließlich an Frauen aus der Landwirtschaft, sondern an alle Interessierten aus den Dörfern. Über das Jahr hinweg organisieren die Landfrauen ein abwechslungsreiches Programm und freuen sich über neue Mitglieder.
Die diesjährige Ernte verdeutlicht erneut, wie stark die Landwirtschaft von den Wetterbedingungen abhängig ist. Nach einem sehr feuchten Frühjahr folgte eine längere Trockenperiode. Die Niederschläge reichten vielerorts nicht aus. Unterschiedliche Bodenverhältnisse erschwerten die Bewirtschaftung zusätzlich. Während die Tonböden stellenweise hart wie Beton wurden, trockneten andere Flächen stark aus. Die Aussaat von Zwischenfrüchten gestaltete sich dadurch schwierig. Nach der Ernte stehen nun die Aussaat von Wintergetreide und Raps an.
Christina Holterkamp, die selbst einen Milchviehbetrieb bewirtschaftet, zog dennoch eine überwiegend positive Bilanz: „Wir arbeiten mit der Natur und das klappt mal besser, mal weniger. Dieses Jahr sind wir im Frühjahr feucht gestartet. Dann war klar, dass der Regen irgendwann aussetzen wird. Das hat er dann auch gemacht. Die Getreideernte ist dennoch relativ gut verlaufen. Auch der Mais hat etwas eingebüßt. Das Grünland hat seine Erträge gebracht. Jetzt schauen wir, wie wir die neue Ernte wieder in die Erde bekommen.“
Bürgermeister Marco Diethelm bedankte sich für die Übergabe der Erntekrone. „Die Erntekrone ist wirklich schön geworden. Man sieht, wie viel Arbeit darin steckt“, sagte er.
Im Gespräch mit den Teilnehmern informierte Diethelm außerdem über aktuelle kommunale Projekte. Beim Glasfaserausbau seien die Arbeiten inzwischen abgeschlossen. Die vereinbarten Hausanschlüsse sollen ab Oktober gelegt werden. Gleichzeitig warb der Bürgermeister dafür, die Angebote zu nutzen. Wer einen Glasfaseranschluss wünsche, sollte sich weiterhin informieren und bei Fragen den Kontakt suchen.
Auch beim geplanten Ausbau des Wirtschaftswegs Wachfuß kündigte der Bürgermeister Fortschritte an. Vorgesehen sei ein 3,50 Meter breiter Weg mit Begegnungsbuchten. Diese seien eine gute Lösung, da für den Weg nur punktuell zusätzliche Flächen benötigt würden und trotzdem Begegnungsverkehr möglich bleibe.
Erntedank ist dabei weit mehr als der Dank für eine gelungene Ernte. Das Fest lenkt auch den Blick auf die Herausforderungen, mit denen landwirtschaftliche Betriebe heute konfrontiert sind. Neben zunehmend wechselhaften Wetterbedingungen mit Trockenphasen, Starkregen oder Spätfrösten sehen sich viele Höfe mit steigenden Kosten, wachsenden Dokumentationspflichten und höheren Anforderungen an Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz konfrontiert. Gleichzeitig erwarten Verbraucher hochwertige Lebensmittel zu bezahlbaren Preisen. Die Landwirtschaft befindet sich damit in einem Spannungsfeld, das von den Betrieben täglich neu bewältigt werden muss.
Die Erntekrone erinnert jedes Jahr aufs Neue an diese Zusammenhänge und macht die enge Verbindung zwischen Landwirtschaft, Natur und Gesellschaft sichtbar. Sie steht für die Arbeit der Menschen, die täglich für die Versorgung mit Lebensmitteln sorgen.
Gerade das bevorstehende Erntedankfest bietet deshalb Anlass, diese Leistung bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen. Während die Vorbereitungen für die Herbstwoche und das Erntedankfest in Clarholz in die letzte Phase gehen, wächst bei vielen Beteiligten bereits die Vorfreude auf die bevorstehenden Festtage.