Bundespräsident Steinmeier und die Vereine: Ein Gespräch über Verantwortung und Wirkung
Es war ein Moment, der sich nicht planen lässt: Als die elf Vertreterinnen und Vertreter der Herzebrock‑Clarholzer Vereine gemeinsam mit Bundespräsident Frank‑Walter Steinmeier, Bürgermeister Marco Diethelm und der Landtagsabgeordneten Verena Schäffer an einem Tisch Platz nahmen, entstand eine besondere Mischung aus Spannung, Wertschätzung und echtem Interesse. Kein Protokoll, kein Abstand – sondern ein Kreis aus Menschen, die ihre Gemeinde tragen.
Der Raum war erfüllt von Geschichten, Erfahrungen und Sorgen, aber auch von Stolz. Von Menschen, die Herzebrock‑Clarholz seit Jahren lebendig halten – oft leise, oft unsichtbar, aber unverzichtbar.
Die Menschen, die Herzebrock‑Clarholz bewegen
Die elf Teilnehmenden repräsentierten die Vielfalt der Vereine in Herzebrock‑Clarholz – sie sprachen nicht nur für sich, sondern für all jene, die sich Tag für Tag engagieren
Jennifer Morrison, Freunde & Förderer der von‑Zumbusch‑Gesamtschule
Sascha Braunsmann, Feuerwehr Herzebrock‑Clarholz
Gregor Korsten, Bürgerstiftung Herzebrock‑Clarholz
Cathrin Adämmer, Kunstverein Gruppe 13
Sabrina Bünting, Hospizgruppe Herzebrock‑Clarholz
Elisabeth Maria Jarsch, DRK‑Ortsverein Herzebrock-Clarholz
Chantal Westermann, Schützengilde Herzebrock
Tobias Feldmann, TSV Victoria Clarholz
Mechthild Gröver, Heimatverein Clarholz
Andre Westermann, DLRG Herzebrock‑Clarholz
Friedhelm Vielstädte, Herzebrocker SV
Elf Vereine, elf Welten – und doch ein gemeinsamer Kern: Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft stärken und unsere Heimat gestalten.
Ein Gespräch, das unter die Haut ging
Schon nach wenigen Minuten wurde klar, wie viel Last auf den Schultern der Ehrenamtlichen liegt. Bürokratie, Nachwuchsgewinnung, finanzielle Unsicherheiten, steigende Anforderungen – Themen, die alle betrafen. Eine Vertreterin brachte es eindringlich auf den Punkt: „Diese Bürokratie, die auf jemandem zukommt, der im Vereinsvorstand ist, schreckt natürlich auch häufig ab.“
Andere erzählten von Förderanträgen, die so kompliziert sind, dass sie eher abschrecken als unterstützen. Von Kuchenverkaufs‑Regeln, die niemand mehr versteht. Von Steuererklärungen, die kleine Vereine genauso ausfüllen müssen wie große Unternehmen. „Der ganze Dschungel ist so massiv, das schreckt einfach viele ab.“
Und doch: Trotz aller Hürden war da kein Jammern. Sondern Leidenschaft. Wärme. Und ein tiefer Wunsch, etwas zu bewegen.
Steinmeier hörte zu – und spricht aus, was viele fühlen
Bundespräsident Frank‑Walter Steinmeier nahm sich in dieser Runde nicht nur Zeit – er nahm sich Raum. Er hörte zu, ohne zu unterbrechen, stellte präzise Fragen, wollte verstehen, nicht nur repräsentieren. Man merkte schnell: Er war nicht gekommen, um eine vorbereitete Botschaft abzuliefern, sondern um die Realität des Ehrenamts zu begreifen, so wie sie hier in Herzebrock‑Clarholz gelebt wird.
Er sprach über die Idee des Ehrentages, über die Bedeutung des 23. Mai und darüber, warum er diesen Tag bewusst aus Berlin „herauslösen“ möchte. Demokratie, sagte er, sei kein abstraktes Konzept, das in Hauptstadtbüros verwaltet werde. Sie entstehe dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – in Sportvereinen, bei der Feuerwehr, in der Hospizbegleitung, im DRK, in Schulen, in Kulturinitiativen, in Bürgerstiftungen.
Er formulierte es klar: Demokratie brauche „Arme und Beine“ – Menschen, die anpacken, tragen, gestalten. Menschen wie die, die ihm hier gegenübersaßen.
Steinmeier sprach auch über seine eigene Kindheit im Ehrenamt, über Trainer, die ihn im Vereinsbus zu Spielen fuhren, über Menschen, die Verantwortung übernahmen, ohne dafür je eine Bühne zu bekommen. Und er machte deutlich, dass er genau diese Menschen sichtbar machen möchte. Dass der Ehrentag nicht nur ein Dankeschön sei, sondern ein Signal: Euer Einsatz ist nicht selbstverständlich – aber unverzichtbar.
Er nahm die Sorgen der Vereine ernst, die Bürokratie, die Überforderung, die Nachwuchsprobleme. Und er versprach, diese Stimmen mitzunehmen – nach Düsseldorf, nach Berlin, in die politische Debatte. Nicht als fertige Lösung, sondern als Auftrag.
In diesem Moment wurde spürbar: Es war kein Pflichttermin. Es war ein echtes Gespräch. Ein Bundespräsident, der nicht über Ehrenamt sprach, sondern mit den Menschen, die es jeden Tag leben.
Ein Nachmittag, der bleibt
Als das Gespräch endete, blieb etwas im Raum zurück: das Gefühl, gesehen zu werden. Wertgeschätzt. Ernst genommen. Es war kein politisches Ritual, sondern ein echtes Gespräch. Ein Moment, der zeigt, wie viel Kraft in Herzebrock‑Clarholz steckt – und wie viele Menschen diese Gemeinde jeden Tag ein Stück besser machen und dies auch gerne tun. Aber etwas weniger Hürden wären halt auch toll.
Ein Nachmittag, der nicht nur über Herausforderungen sprach, sondern über das, was Ehrenamt wirklich bedeutet: Herz, Zeit, Mut und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und das zum Teil über Jahrzehnte.
Hintergrund: Was ist der Ehrentag eigentlich?
Der Ehrentag ist eine Initiative von Bundespräsident Frank‑Walter Steinmeier, die rund um den 23. Mai – dem Geburtstag des Grundgesetzes – stattfindet. Ziel ist es, die Werte unserer Verfassung nicht nur politisch zu würdigen, sondern mitten in die Gesellschaft zu tragen. Der Ehrentag soll sichtbar machen, wie sehr Demokratie vom Mitmachen lebt: von Menschen, die Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft stärken und sich für andere einsetzen. Vereine, Initiativen, Gruppen und engagierte Einzelpersonen zeigen in dieser Zeit mit Aktionen, Projekten und Begegnungen, wie vielfältig und lebendig Ehrenamt in Deutschland ist. Steinmeier möchte damit ein Zeichen setzen: Demokratie entsteht nicht nur in Parlamenten, sondern überall dort, wo Menschen füreinander da sind – so wie hier in Herzebrock‑Clarholz.
Vom 16. – 31. Mai laden tausende Aktionen deutschlandweit zum Mitmachen ein. Alle Aktionen die noch laufen findet Ihr hier: https://www.ehrentag.de/aktion-finden/