Kreis ändert Strategie für Kitas und Schulen: Nur Infizierte gehen in Quarantäne

Der Kreis Gütersloh ändert seine Quarantäne-Regeln für Kitas und Schulen.

Kreis ändert Strategie für Kitas und Schulen: Nur Infizierte gehen in Quarantäne

Update: Neue Vorgaben Quarantäne. Keine rückwirkende Auflösung von Quarantänen.

Die neuen Quarantäneregeln für Schulen und Kitas werden nicht rückwirkend angewandt. Quarantäneentscheidungen, die getroffen worden sind, haben Bestand. Gestern hatte der Kreis angekündigt, dass ab der kommenden Woche nur noch die positiv getesteten Kinder und Jugendlichen in Quarantäne gehen, nicht aber zum Beispiel die Sitznachbarn. Wer aktuell noch in Quarantäne ist, muss die vorgegebene Zeit in Quarantäne verbleiben. Es ist nicht möglich, über das Wochenende zu differenzieren, ob die Quarantäne ausgesprochen worden ist, weil es sich um einen engen sozialen oder familiären Kontakt handelt – solche Kontaktpersonen werden auch künftig in Quarantäne gehen müssen – oder ob die Quarantäne aufgrund der schulischen Situation ausgesprochen worden ist. Für die Kitas im Kreis bleibt es auch zu Wochenbeginn entgegen der gestrigen Ankündigung bei der bisherigen Regelung. In den Kitas muss im Gegensatz zu den Schulen erst ein mobiles Testsystem etabliert werden, um weitere Fälle beim Vorliegen eines positiven PCR-Testergebnisses zu ermitteln. Über das Wochenende wird es noch nicht gelingen, mit Unterstützung der Hilfsorganisationen ein solches System zu etablieren. Der Kreis Gütersloh wird informieren, sobald dies gewährleistet ist.
Der Kreis Gütersloh hatte gestern im Vorgriff auf zu erwartende landes- beziehungsweise bundesweit geltende Regeln festgelegt, dass künftig nur noch positiv getestete Kinder und Jugendliche in Quarantäne geschickt werden. „Es mag für die betroffenen Eltern jetzt noch eine Belastung darstellen, die gehofft hatten, ihr Kind könne am Montag wieder in die Schule gehen. Aber wir verhindern für die Zukunft, dass die Kinder und Jugendlichen bei Einzelinfektionen in der Schulklasse oder Kita-Gruppe von einer Quarantäne in die nächste gehen müssen“, betont Dr. Anne Bunte, Leiterin der Abteilung Gesundheit. „Für den Kitabereich müssen wir jetzt aktuell noch eine Ausnahme machen. Dort sind Tests bisher freiwillig über das Land organisiert worden. Sobald wir die Infrastruktur geschaffen haben, bei positiven Fällen die Gruppen zu testen, müssen auch dort nur noch die positiv getesteten Kinder in Quarantäne“, ergänzt Krisenstabsleiter Frank Scheffer. Die Einsatzplanung läuft bereits, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat seine Unterstützung zugesagt. Geplant ist der Einsatz von gemischten Teams aus dem Rettungsdienst des Kreises, der die bereits existierenden mobilen Teams stellt, und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DRK. Positive Fälle in Kitas wurden bisher in erster Linie identifiziert, weil sie als Kontaktpersonen im familiären Umfeld getestet werden. Das Land NRW versorgt Kitas mit Lollitests, die Tests sind aber auf freiwilliger Basis.
Für die Pooltestungen an den Grundschulen bleibt es in dem ersten Schritt beim bisherigen Verfahren: Ist ein Pooltest positiv, bleiben die Schülerinnen und Schüler bis zur Poolauflösung zu Hause. Nach der Poolauflösung gehen aber nur die beim PCR-Einzeltest positiv getesteten Kinder in Quarantäne, die anderen Kinder können weiter die Schule besuchen. Die Selbstisolation bis zur Klärung bleibt also unberührt.

Ab der kommenden Woche sollen lediglich die positiv getesteten Kinder und Jugendlichen in Quarantäne geschickt werden. Das ist das Ergebnis einer Lagebesprechung unter Leitung von Krisenstabsleiter Frank Scheffer von Freitag. Der Kreis Gütersloh nimmt damit Regelungen vorweg, von denen er hofft, dass sie bei den Bund-Ländergesprächen am Montag einheitlich bundesweit geregelt werden. Sowohl NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer als auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatten sich dahingehend geäußert, dass auch sie einen Strategiewechsel für angebracht halten.

„Wir konzentrieren uns auf das unmittelbare Umfeld, also enge soziale Kontakte, Familienangehörige“, so Dr. Bunte, Leiterin der Abteilung Gesundheit. Kinder seien nach bisherigen Erfahrungen weniger behandlungsbedürftig, daher sei die Konzentration auf die Infizierten epidemiologisch vertretbar. In der aktuellen Lage sei die Kontaktpersonenverfolgung in der bisherigen Form weder leist- und begründbar. Der Kreis Gütersloh hatte bereits vor zehn Tagen informiert, dass das Kontaktpersonenmanagement nicht mehr in allen Fällen zeitnah abgearbeitet werden könne und bei der Nachverfolgung Risikobereiche RKI-konform priorisiert würden.

Die Regelungen sollen auch auf die Kindertagesstätten übertragen werden. Da in den Kitas im Gegensatz zu den Schulen nicht regelmäßig getestet wird, stockt der Kreis Gütersloh seine mobilen Teams auf. Sie sollen in Kitas zum Einsatz kommen, in denen es einen positiven Fall gegeben hat, um dann die anderen Kinder abstreichen zu können.

Dr. Bunte hatte bereits vor einer Woche gegenüber WDR 2 die bisherige Quarantäneregelung bei den Kindern in Frage gestellt und Neuregelungen unter Beobachtung der weiteren Entwicklung der Pandemie gefordert. Man habe bisher Schul- und Kita- Kinder, die gemäß der RKI-Empfehlungen als enge Kontaktpersonen eingeschätzt wurden, 14 Tage in Quarantäne schicken müssen. Die Situation sei aufgrund der Impfungen und bei regelmäßigen Testungen sowie bei Einhaltung der AHA+L-Regeln nicht mehr mit 2020 oder dem Frühjahr 2021 vergleichbar, so die Leiterin der Abteilung Gesundheit.

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