Rat berät erneut über Zukunft des Bahnübergangs Letter Straße | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Der Bahnübergang Letter Straße bleibt ein zentrales Thema in Clarholz: Nach widersprüchlichen Aussagen der DB und fehlender Unterstützung des Landes will die Gemeinde die Auswirkungen erneut prüfen. In der kommenden Ratssitzung am Mitwoch, den 27. Mai in der Wilbrandschule, wird der Sachverhalt umfassend beraten.

Rat berät erneut über Zukunft des Bahnübergangs Letter Straße

Gemeinde hält an Verlegung der L806 fest – Kritik an DB und fehlender Unterstützung des Landes

Die Diskussion um die Zukunft der L806 und die Bahnübergänge im Ortsteil Clarholz geht in eine neue Runde. Nachdem die DB InfraGO AG Ende 2025 überraschend mitteilte, die geplante Verlegung des Bahnübergangs Letter Straße zur Nordstraße nicht weiterzuverfolgen, reagiert die Gemeinde Herzebrock‑Clarholz mit deutlicher Kritik – und bekräftigt ihre Position: Die Verlegung bleibt aus kommunaler Sicht unverzichtbar.

DB zieht sich zurück – Gemeinde widerspricht deutlich

In einem Schreiben vom 8. Dezember 2025 erklärte die DB InfraGO AG gegenüber Straßen.NRW, dass sie den Ausbau der Sicherungsanlage am bestehenden Bahnübergang Letter Straße als „Vorzugsvariante“ weiterverfolgen wolle. Die Verlegung zur Nordstraße solle aus dem Landesstraßenbedarfsplan gestrichen werden.

Für die Gemeinde ist das ein Schritt in die falsche Richtung. In einem Antwortschreiben vom 5. Januar 2026 machte die Verwaltung deutlich, dass die Verlegung des Bahnübergangs – in Verbindung mit einer leistungsfähigen Kreuzung zur B64 – für die städtebauliche und verkehrliche Entwicklung Clarholz’ von zentraler Bedeutung ist. Gleichlautende Schreiben gingen an Straßen.NRW und an Verkehrsminister Krischer.

Doch das Ministerium zeigte in seiner Antwort vom 30. März 2026 keine Unterstützung für die kommunalen Anliegen.

Unklare Aussagen zum Bahnübergang Lindenstraße

Parallel dazu meldete sich eine weitere Abteilung der DB InfraGO AG – ebenfalls am 8. Dezember 2025 – und erklärte, dass Auflassungen von Bahnübergängen nur im Einvernehmen aller Beteiligten möglich seien. Man werde „nach Möglichkeit“ einer technischen Sicherung des Bahnübergangs Lindenstraße den Vorzug geben.

Für die Gemeinde ist diese Formulierung jedoch unzureichend. Eine verbindliche Zusicherung, dass der Bahnübergang Lindenstraße dauerhaft für den motorisierten Verkehr erhalten bleibt, fehlt weiterhin.

Informationstermin mit der DB – aber keine Lösung in Sicht

Am 9. März 2026 fand ein Informationstermin mit Vertretern der Fraktionen statt. Die dort vorgestellten Unterlagen bestätigten aus Sicht der Gemeinde erneut: Die aktuellen Planungen der DB berücksichtigen weder die Verkehrsströme rund um den „Schlösser‑Campus“ noch die Bedeutung des Bahnübergangs Lindenstraße für die Erreichbarkeit des Ortskerns.

Ein Blick zurück: Warum die Verlegung überhaupt geplant wurde

Die Verlegung der L806 auf die Nordstraße wurde bereits 2003 von Straßen.NRW angestoßen – aus rein straßenverkehrlichen Gründen. Erst später kamen die Überlegungen zur Verlegung des Bahnübergangs hinzu. Seit 2010 ist klar: Wird der Bahnübergang Letter Straße modernisiert, droht der Übergang Lindenstraße für den motorisierten Verkehr zu entfallen. Das Eisenbahnbundesamt hatte dies bereits damals bestätigt.

Der Rat der Gemeinde sprach sich deshalb 2010 eindeutig gegen eine Schließung des Bahnübergangs Lindenstraße aus und stimmte der Verlegung des Bahnübergangs Letter Straße zur Nordstraße zu – als einzige Möglichkeit, beide Übergänge zu erhalten.

Folgen für Clarholz bei Rücknahme der Maßnahme

Sollte die Verlegung aus dem Landesstraßenbedarfsplan gestrichen werden, hätte das weitreichende Konsequenzen:

  • Bei einem Ausbau der Kreuzung in der bisherigen Lage entfällt die Linksabbiegemöglichkeit nach dem Bahnübergang Letter Straße in Richtung Marktplatz.

  • Wird gleichzeitig der Bahnübergang Lindenstraße geschlossen, wäre der Marktplatz aus den nördlichen Wohngebieten nur noch über den Bahnübergang Samtholzstraße erreichbar.

  • Die Verkehrsströme rund um den „Schlösser‑Campus“ bleiben ungelöst.

Thema in der Ratssitzung am 27. Mai

Die Gemeinde wird das Thema in der kommenden Ratssitzung erneut aufgreifen und ausführlich beraten. Dabei soll insbesondere geklärt werden, wie die unterschiedlichen Darstellungen von DB und Straßen.NRW einzuordnen sind und warum frühere Beschlüsse – darunter die Entscheidung des Planungsausschusses vom 08.03.2010 gegen die Schließung des Bahnübergangs Lindenstraße sowie der Ratsbeschluss vom 15.12.2010 zur Verlegung des Bahnübergangs – in den aktuellen Unterlagen nicht berücksichtigt wurden.