Planungsausschuss startet Bauturbo für Ärztehaus in Clarholz | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Der Planungsausschuss gibt grünes Licht für den „Bauturbo“: Das neue Ärztehaus kann schneller geplant werden, ohne neuen Bebauungsplan. Die Stellplatzprobleme wurden reduziert, die Gebäudehöhe bleibt umstritten. Erste medizinische Nutzungen sind angedacht, ein MVZ fehlt noch. Das Projekt rückt deutlich voran.

Planungsausschuss startet Bauturbo für Ärztehaus in Clarholz

Planungsausschuss beschließt Bauturbo für neues Ärztehaus und Wohnbebauung

Der Planungsausschuss der Gemeinde Herzebrock‑Clarholz hat in seiner jüngsten Sitzung einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung des Ortskerns beschlossen. Mit breiter Zustimmung sprachen sich die Mitglieder dafür aus, das Verfahren für den Bau des neuen Ärztehauses deutlich zu beschleunigen.

Durch den beschlossenen „Bauturbo“ muss der bestehende Bebauungsplan nicht eingehalten werden; zudem wird kein neuer Plan aufgestellt, in dem Bürgerbeteiligung und die Berücksichtigung öffentlicher Belange vorgesehen wären. Für die dahinter geplanten Wohnhäuser mit 40 neuen Wohneinheiten bleiben die gängigen Verfahren bestehen.

Aktualisierte Stellplatzberechnung sorgt für Entlastung

Im Vorfeld der Sitzung hatte sich der Investor erneut intensiv mit der Stellplatzsituation befasst und die Berechnung überarbeitet. Entlang der Bahnlinie sollen 25 zusätzliche Parkplätze entstehen. In die neue Berechnung flossen außerdem Bahnbesucher ein, und nicht als Patientenzimmer genutzte Räumlichkeiten wurden aus der Bruttofläche herausgerechnet.

Durch diese Anpassungen reduziert sich der rechnerische Fehlbedarf deutlich: Statt ursprünglich rund 80 fehlender Stellplätze wären nach aktueller Planung nur noch etwa 15 Stellplätze auf der gesamten Anlage nicht gedeckt.

Diskussion um Gebäudehöhe

Als größtes Konfliktthema blieb die geplante Höhe des Gebäudes: Vier-Geschossigkeit und eine Gesamthöhe von 14,60 m inkl. technischer Anlagen. Einige Ausschussmitglieder sehen darin einen Punkt, der sorgfältig abgewogen werden muss. Gleichzeitig betonten mehrere Ratsmitglieder, dass sie dies nicht als so gravierend einschätzen, dass es das Gesamtprojekt infrage stellen würde.

Der Wille, das Vorhaben zu unterstützen und zu beschleunigen, war bei den meisten Ausschuss-Mitgliedern klar erkennbar.

Mögliche Nutzungen: Radiologie, Autismus-Zentrum, Zahnarzt – und die Frage nach der hausärztlichen Versorgung

Für das neue „Haus der Medizin“ gibt es bereits erste Nutzungsideen: vorgesehen sind unter anderem eine Radiologie, ein Autismus-Zentrum und möglicherweise eine Zahnarztpraxis. Ob diese Angebote mit oder ohne kassenärztlichen Sitz geplant sind, ist derzeit nicht bekannt.

Besonders gewünscht wird zudem ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit mehreren Hausärzten. Aktuell ist jedoch noch kein Betreiber gefunden.

Eine Ärztin erklärte uns, dass das Problem weniger darin liege, Hausärzte zu finden, sondern vielmehr darin, eine ärztliche Leitung zu gewinnen. Diese müsse wirtschaftlich und personell verantwortlich sein – eine Rolle, die schwer zu besetzen sei. Angestellte Ärztinnen und Ärzte hingegen ließen sich deutlich einfacher gewinnen, sobald eine solche Leitung vorhanden wäre.

Wichtig ist: Der Ausschuss entschied ausschließlich über das Planungsverfahren, nicht über den konkreten Nutzungszweck. Dieser ist an das Verfahren nicht gebunden und kann sich im weiteren Verlauf noch verändern.

Marco Diethelm ordnete die Erwartungen an die hausärztliche Versorgung ein: „Das Problem bei der Hausarztversorgung war in der Vergangenheit nie eine Immobilie, das Problem waren die Ärzte.“ Er bezeichnete die Pläne insgesamt als positiv, verwies aber darauf, dass die Frage der vierten Etage im „Hauruck-Verfahren“ letztlich von den Mitgliedern des Planungsausschusses zu entscheiden sei.

Investor zeigt sich erleichtert

Zum Ende der Sitzung äußerte sich der Investor sichtbar zufrieden darüber, dass die Gemeinde nun geschlossen hinter dem Projekt stehe. Er erinnerte daran, dass er bereits vor 19 Jahren ein Ärztehaus in Herzebrock gebaut habe – damals dauerte die Umsetzung nur rund anderthalb Jahre.

Wie geht es weiter?

Durch den beschlossenen „Bauturbo“ muss diese Entscheidung regulär nicht mehr durch den Rat. Der Investor könnte somit direkt in die nächsten Planungsschritte einsteigen.

Welche Auswirkungen der Neubau auf zukünftige Volksfeste am Clarholzer Marktplatz haben wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Sicher ist jedoch: Durch die geplante Weiterentwicklung des Ortskerns wird die verfügbare Fläche in jedem Fall kleiner.

Fest steht: Mit dem Votum des Planungsausschusses hat das Projekt einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht und wir hoffen, dass die geplanten Praxen auch mit Hausärzten besetzt werden.