Mit dem Rad durch Geschichte: Heimatverein auf Tagestour nach Beckum
Am Samstag, dem 13. Juni 2026, stand die traditionelle Ganztagesradtour des Clarholzer Heimatvereins auf dem Programm. Treffpunkt war an der Volksbank. Die Planung und Organisation lagen in den Händen von Karl Haunert sowie Renate und Albert Hartmann. Insgesamt hatten sich 40 Personen angemeldet. Die Teilnehmenden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils von einem der Organisatoren geführt wurden. Pünktlich um 9 Uhr startete die erste Gruppe, wenige Minuten später folgte die zweite. Das Planungsteam hatte eine idyllische Strecke über Wald- und Flurwege von Clarholz über Lette, Oelde und Vellern nach Beckum ausgearbeitet. Bei frischen Temperaturen und kräftigem Wind erreichten alle Radler nach einem Zwischenstopp in Vellern gegen 11 Uhr wohlbehalten Beckum.
Eine Gruppe entschied sich für die Besichtigung des Zementmuseums. Acht Ehrenamtliche engagieren sich dort seit mehr als zehn Jahren mit großer Leidenschaft für die Bewahrung der beeindruckenden Zementgeschichte der Stadt Beckum. Franz-Josef Vahland und Uli Lutterbeck begrüßten die Radfahrer und führten sie durch das Museum, das früher „Köttings Mühle“ war. Die Besucher stellten fest, dass das Zementmuseum mit viel Liebe zum Detail eingerichtet ist. Der Engländer Joseph Aspdin gilt als Erfinder des Portlandzements. Früher wurde Zement in 50‑kg‑Jutesäcken oder in Holzfässern abgepackt. Beckum war einst das weltweit größte Zementrevier mit über 30 Produktionsstätten – heute existieren nur noch drei Firmen.
Die zweite Gruppe wurde von Eva Hübscher, einer von vier ehrenamtlichen Stadtführerinnen, empfangen. Zunächst besichtigten sie die beeindruckende Stephanskirche mit dem größten Schrein Westfalens. In diesem Schrein befinden sich die Reliquien der heiligen Prudentia. Über ihr Leben ist nichts bekannt; sie war eine römische Märtyrin. Ihre Gebeine wurden 1672 in den Praetextatus-Katakomben an der Via Appia Pignatelli in Rom gefunden, wo im 3. und 4. Jahrhundert Christen bestattet wurden. 1881 gelangten die Reliquien auf Wunsch des aus Everswinkel stammenden Bischofs Johann Bernhard Brinkmann in den kostbaren Schrein in Beckum. Brinkmann hatte die Gebeine 1878 von Papst Pius IX. geschenkt bekommen.
Viele weitere Informationen erhielten die Teilnehmenden im Beckumer Stadtmuseum – darunter auch eine Verbindung zu Clarholz: Die erste Erwähnung Beckums als Pfarrei findet sich in einer Urkunde, die Bischof Werner von Münster 1134 dem Kloster Clarholz ausstellte. Darin schenkte er dem Kloster „XII solidi“ (= 12 Schilling) aus einem Zehnten „in parrochia Bikeheim in villa que dicitur Dunhinchusen“, also in der Pfarrei Beckum in der Bauerschaft Dünninghausen (zwischen Beckum und Diestedde). 1224 wird Beckum erstmals als „civitas“, also als Stadt, bezeichnet.
Dem verantwortungsvollen und mutigen Handeln von Major und Kampfkommandant Rudolf Dunkers sowie eines Arztes ist es zu verdanken, dass Beckum am Ostersonntag, dem 1. April 1945, kampflos kapitulierte und so vor der Zerstörung bewahrt wurde. Auf drei Etagen bot das Stadtmuseum zahlreiche Eindrücke: ein originalgetreuer Tante‑Emma‑Laden, eine alte Wohnküche, das Karnevalszimmer mit einer Zeitreise durch 500 Jahre närrischer Tradition – vieles entlockte ein „Weißt du noch?!“. Zum Abschluss nahmen die Heimatfreunde in der historischen „Schulklasse“ Platz, in der jeder Stuhl und jeder Tisch aus einer anderen Epoche stammt. Dort entstand auch das Gruppenfoto.
Zum Mittagessen trafen sich alle Radfahrer in der seit 1680 bestehenden ältesten Brauerei Westfalens, Stiefel‑Jürgens, und stärkten sich bei gutem Essen und passenden Getränken.
Gegen 15 Uhr machten sich die Heimatfreunde auf den recht stürmischen Rückweg nach Clarholz. Nach insgesamt 60 Tageskilometern kamen alle trocken und gut gelaunt im Heimatort an. Es war wieder einmal ein gelungener Tag – darin waren sich alle einig und bedankten sich herzlich bei den Organisatoren.