Hausärztliche Versorgung in Herzebrock-Clarholz. Status Quo.

Da wir in letzter Zeit viele besorgte Nachrichten bekommen haben, wie es mit der hausärztlichen Versorgung in der Gemeinde weitergeht, haben wir mit der Gemeinde, der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalenlippe und den Ärzten gesprochen.

Hausärztliche Versorgung in Herzebrock-Clarholz. Status Quo.

Wie viele Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, wird durch die sogenannte Bedarfsplanung festgelegt. Sie soll eine ausreichende flächendeckende Versorgung mit niedergelassenen Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen gewährleisten sowie eine Fehlversorgung vermeiden. Die Basis-Verhältniszahl für die hausärztliche Versorgung beträgt 1.609 Einwohner je Arzt/Ärztin (gemäß § 11 Abs. 4 der Bedarfsplanungs-Richtlinie).

Das Problem rund um den Hausärztemangel ist in der Gemeinde schon länger bekannt und die Verwaltung Herzebrock-Clarholz hat bereits zahlreiche Gespräche mit der gesamten Ärzteschaft vor Ort, der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalenlippe (KVWL) und dem Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL geführt, um eine Lösung zu finden.

Allerdings: Die Gemeinde ist nicht zuständig. Die Ärzteversorgung für die Bürgerinnen und Bürger zu sichern ist Aufgabe der KVWL.

Grundsätzlich dürfen Hausärzte akute Notfälle nicht abweisen.

Die Rolle als dauerhafter Hausarzt, für zum Beispiel Impfungen oder Versorgungsleistungen, müssen sie jedoch nicht annehmen.

Die Gemeinde ist bereit Arzt*innen, welche allgemeinmedizinisch tätig werden wollen, in vielerlei Hinsicht zu unterstützen, um einen Zuzug nach Herzebrock-Clarholz zu fördern. Dies bedeutet Hilfe bei der Wohnungs- und Grundstückssuche, in Schul- und Kindergartenfragen sowie weiteren Angelegenheiten des täglichen Lebens. Darüber hinaus hat die Gemeinde und das Land NRW eine Förderung beschlossen von bis zu 100.000 Euro. Bislang waren die Bemühungen erfolglos.

Die Überlegungen konzentrieren sich nunmehr wieder auf die Gründung eines Gesundheitszentrums.

Diese Thematik wurde bereits im Jahre 2017 erörtert. Damals fand man kein Interesse bei den bestehenden Institutionen. Die Gründung eines Gesundheitszentrums setzt allerdings auch ein betriebswirtschaftliches Engagement voraus. Die örtliche Ärzteschaft steht zur Übernahme dieses betriebswirtschaftlichen Handelns im Augenblich noch restriktiv gegenüber, da die damit verbundenen Einschränkungen für sie zu groß seien.

Die KVWL arbeitet bereits seit einigen Monaten an Lösungen. Das Problem hat es vor einigen Jahren schon einmal gegeben, damals konnte die Nachfolge einer Versorgerpraxis gefördert und gesichert werden. Herzeblog berichtete (Carine Koutang ist neue Hausärztin in Clarholz). Jetzt hat es Gespräche mit Bürgermeister Marco Diethelm, der Ärzteschaft und dem ZIG OWL gegeben und es wird an der Frage gearbeitet, wie man eine moderne und kooperative Praxisstruktur in Herzebrock-Clarholz aufbauen kann. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen.

Veit Malalla und Annette Steinel sind derzeit die einzigen Ärzte in Herzbrock-Clarholz, die die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin durchführen. Letztes Jahr eröffnete die Medizinische Fakultät OWL. Der neue Studiengang soll ein wichtiger Baustein sein, um die Landarzt-Lücke zu schließen, denn bei dem neu konzipierten Studiengang hat die Allgemeinmedizin einen hohen Stellenwert mit frühem Patientenkontakt.

Aber wie bekommt Ihr nun einen neuen Hausarzt?

Eine Übersicht der Ärzte in Herzebrock-Clarholz findet Ihr hier.

Auf Nachfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalenlippe (KVWL), wie und wo Patienten der in Kürze schließenden Praxis Pfeiffer/Steidl nun einen einen Hausarzt herbekommen, wurden wir auf das Service-Angebot der KVWL hinweisen: Die Terminservicestelle (TSS) der KVWL unterstützt u.a. bei der Suche nach Haus-, Kinder- und Jugendärzten für die dauerhafte Behandlung. Ausführliche Informationen zur TSS findet Ihr hier: https://www.kvwl.de/buerger/terminservice-stelle-tss oder unter der Telefonnummer 116117. Das Team der Servicestelle unterstützt bei der Suche und fragt auch bei Praxen in der Umgebung für Euch an. Es wird ein Erst-Termin vermittelt, es muss dann beim Arzt vor Ort geklärt werden, ob eine dauerhafte Behandlung möglich ist.

Teilt uns gerne Eure Erfahrungen mit. Wurde Euch geholfen? Habt Ihr eine Lösung gefunden? Schreibt uns an ärzte@herzeblog.de

Hintergrund - Hausärztliche Versorgung im Mittelbereich Gütersloh

Die hausärztliche Versorgung wird auf Ebene der Mittelbereiche (MB) geplant. Zum Mittelbereich Gütersloh gehört u.a. auch Herzebrock-Clarholz.

Im MB Gütersloh sind derzeit 85,50 Hausärzt*innen tätig (Vollzeitäquivalente). Damit beträgt der Versorgungsgrad in diesem Planungsbereich im Moment 84,3 Prozent (gemäß aktuell gültigem Beschluss des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen in Westfalen-Lippe vom Mai 2022). 26,50 weitere hausärztliche Niederlassungsmöglichkeiten bestehen noch, bis der Planungsbereich aufgrund einer statistischen Überversorgung (Versorgungsgrad > 110 Prozent) gesperrt würde.

Neben dem Versorgungsgrad ist auch die Altersstruktur der Ärzt*innen vor Ort wichtig, um die Versorgungssituation in einem Planungsbereich einzuschätzen. Im MB Gütersloh sind derzeit etwa 50 Prozent der Hausärzt*innen älter als 60 Jahre. Zum Vergleich: In Westfalen-Lippe insgesamt sind dies im Moment rund 40 Prozent der Hausärzt*innen.

Insgesamt ist die Versorgung mit Hausärzt*innen im MB Gütersloh derzeit – statistisch gesehen – noch stabil.

Generell wird die Nachbesetzung von Arztsitzen in vielen Regionen, vor allem im ländlichen Bereich, aber schwieriger, da sich nicht genug junge Mediziner für eine (eigene) Praxis entscheiden. Dies gilt besonders für die Hausärzteschaft.

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