Erinnern gegen das Vergessen: Gedenkfeier zum Novemberpogrom in Herzebrock | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Mit einer Gedenkansprache, Kranzniederlegung und einem anschließenden Rundgang erinnert die Gemeinde Herzebrock-Clarholz am 9. November an die jüdische Geschichte des Ortes sowie an die Opfer des Nationalsozialismus. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, gemeinsam ein Zeichen gegen Antisemitismus und für eine lebendige Erinnerungskultur zu setzen.

Erinnern gegen das Vergessen: Gedenkfeier zum Novemberpogrom in Herzebrock

Gedenkansprache und Rundgang zum Novemberpogrom am 9. November ab 17 Uhr am Fuhrmannsplatz: Gemeinsame Erinnerung an Jüdisches Leben in Herzebrock

Die Gemeinde Herzebrock-Clarholz wird am Montag, 9. November um 17 Uhr öffentlich an die jüdische Tradition in Herzebrock und die Verfolgung und Ermordung der Herzebrocker Juden erinnern. Bürgermeister Marco Diethelm wird an der Stele am Fuhrmannsplatz, Ecke Uthofstraße/Gildestraße eine Gedenkansprache halten und einen Kranz niederlegen. Auch der Projektkurs Erinnerungskultur der von-Zumbusch-Gesamtschule wirkt am Gedenken mit. Martina Deinert von der Interessengemeinschaft der Gästeführer in Herzebrock-Clarholz beteiligt sich mit einer Aufarbeitung der Historie in Herzebrock-Clarholz und bezieht sich dabei auch auf die Gegenwart. Das Gedenken wird vom Bläserchor Blankenhagen unter der Leitung von Daniel Reichert musikalisch begleitet. Direkt im Anschluss führt Helga Kiesling von der Interessengemeinschaft der Gästeführer bei einer 60 bis 90-minütigen Führung zu jüdischem Leben in Herzebrock durch den Ortsteil. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Um die Gedenkfeier angemessen begehen zu können, wird es zwischen 17 und 18 Uhr in der unmittelbaren Umgebung eine Straßensperrung der Uthofstraße geben.

„Antisemitismus ist in Deutschland weiterhin bittere Realität – und er tritt heute noch offener und stärker zutage als vor wenigen Jahren“, betont Bürgermeister Marco Diethelm. „Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel und dem Krieg im Gazastreifen erleben viele Jüdinnen und Juden vermehrt Anfeindungen, Bedrohungen und Ausgrenzung. Aus Sorge um ihre Sicherheit vermeiden manche, ihre jüdische Identität in der Öffentlichkeit sichtbar zu zeigen. Dass dies im Jahr 2026 in Deutschland geschieht, muss uns zutiefst alarmieren.

Dabei ist eine klare Unterscheidung unverzichtbar: Sachliche Kritik an der Politik der israelischen Regierung ist legitim und gehört zur demokratischen Debatte. Antisemitismus hingegen richtet sich gegen Jüdinnen und Juden, spricht ihnen ihre Würde und ihr Existenzrecht ab oder macht sie pauschal für das Handeln des Staates Israel verantwortlich. Beides darf nicht gleichgesetzt oder miteinander vermischt werden.

Aus unserer Geschichte erwächst die besondere Verantwortung, jeder Form von Judenhass entschieden entgegenzutreten. Erinnern allein genügt nicht – Erinnerung muss uns zum Handeln verpflichten. Wir dürfen nicht schweigen, wenn jüdisches Leben bedroht wird. Jüdinnen und Juden müssen in Deutschland sicher, frei und sichtbar leben können. Dafür müssen Staat und Gesellschaft mit aller Entschlossenheit einstehen.“

Traditionell wird in der Gemeinde an das Novemberpogrom erinnert. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Häuser der Herzebrocker Juden überfallen, die Geschäfts- und Wohnungseinrichtungen demoliert und die Bewohner gequält und geschlagen. Die Männer wurden für mehrere Wochen in Konzentrationslagern gefangen gehalten. Schon vor 1938 waren jüdische Familien, die seit Jahrzehnten in Herzebrock gelebt hatten, ins Ausland geflohen. Andere folgten ihnen in den verbleibenden Monaten bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Wer nicht entkommen konnte, wurde in der Shoah umgebracht.