Ökumenischer Arbeitskreis „Eine Welt in Herzebrock“ feiert sein 40-jähriges Bestehen
Von Michael Wöstheinrich
(woe) Im Jahr 1986 rief Margret Nordemann den ökumenischen Arbeitskreis „Eine Welt in Herzebrock“ ins Leben. Nun wurde das 40-jähriges Bestehen mit einem Rückblick und einem Gottesdienst gefeiert.
Zahlreiche Mitglieder hatten sich am Samstagnachmittag im Pfarrheim St. Christina eingefunden, um in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen das 40-jährige Jubiläum des Arbeitskreises zu feiern. Und Marita Feldmann, die den Nachmittag moderierte, machte gleich klar, dass der gebührende Rückblick auf das bisher Erreichte nicht durch lange Reden geschehen sollte. Stattdessen ergriffen einige Mitglieder die Gelegenheit, ihre eigene Sicht und ihre Erfahrungen zu schildern.
„Nicht reden, sondern handeln“
Elisabeth Herden erinnerte an Margret Nordemann, die, angeregt durch eine Predigt von Bischof Kamphaus über die Not und Ungerechtigkeit in der Dritten Welt, die Idee für einen Eine-Welt Laden in die Tat umsetzte, zunächst im ehemaligen Jugendbüro des Pfarrzentrums St. Christina, dann in der Vikarie und von Beginn an auch auf dem Wochenmarkt. Das ursprüngliche Sortiment aus Kaffee, Tee, Jutetaschen, Wein und Honig erweiterte sich in den folgenden Jahren ständig bis hin zu Holzspielzeug sowie Dekorations- und Geschenkartikeln. Die Produzenten erhalten für ihre Waren faire Preise, die ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.
Die ehrenamtliche Arbeit des Eine-Welt-Arbeitskreises, der aktuell aus Gisela Herden, Maria Baum, Elisabeth Hoeppe Coldwell, Marita Feldmann, Elfriede Füchtenhans, Deniz Zan, Ingrid Schäfer, Monika Zan, Anke Poon-Hebestreit sowie vielen weitere Unterstützerinnen und Unterstützern besteht, wurde schon 2008 mit dem Umweltpreis der Gemeinde aus gezeichnet. Inzwischen ist der Arbeitskreis auch im Pflegewohnheim St.Josef, der Klosterbäckerei Möllenbrock und in einigen Hofläden, auf dem Weihnachtsmarkt, dem Cityfest, dem Weinfest und dem Clarholzer Trödelmarkt präsent und brachte die Entwicklung der Gemeinde Herzebrock-Clarholz zur Fairtrade Town auf den Weg. Erst kürzlich wurde das Engagement der Gruppe mit dem Heimatpreis ausgezeichnet.
Über ihre persönlichen Verbindung zum Eine-Welt-Arbeitskreis berichtete Maria Baum, die nach mehreren Jahren in Bolivien im Jahr 1999 hier eine neue Aufgabe fand. Beeindruckt von Margret Nordemanns Engagement hatte sie mit der Gründerin des Arbeitskreises auch eine Reise in das südamerikanische Land unternommen. Auch Gisela Herden und Elfriede Füchtenhans beschrieben Margret Nordemann als ein wichtiges Vorbild. Deniz Zan, die seit 2018 dabei ist, meinte: „Toll, wie so unterschiedliche Menschen an einem gemeinsamen Ziel arbeiten – das ist gelebte Ökumene!“ Nach Ingrid Schäfer schilderte auch Marita Feldmann ihre persönlichen Eindrücke: „Die Corona-Jahre haben unsere Arbeit eingeschränkt, aber so etwas schärft auch den Blick für‘s Wesentliche – ich denke, wir sind daran gewachsen.“
Pfarrer Rainer Moritz und Pastor Josef Kemper brachten es kurz auf den Punkt: „Es war vor 40 Jahren nicht selbstverständlich – danke an alle, die das Projekt angefanghen haben und danke an alle, die es weiter fortführen!“
Anne Fallner-Ahrens, didaktische Leiterin an der Von-Zumbusch-Gesamtschule, dankte dem Arbeitskreis für die Unterstützung der Partnerschule in Kenia: „Für sie konnten Nähmaschinen angeschafft werden.“
Lothar Schäfer war nur einer der vielen, denen stellvertretend für die tatkräftige Mitarbeit und die Unterstützung, die Betreuung des Stands und vielem mehr gedankt wurde. „Die Familienmitglieder und die Kirchengemeinden sind ein Fundament, auf das wir bauen können“, so Marita Feldmann abschließend.
Nach einer kurzen Pause bei Kaffee und Kuchen informierte Nina Martello, Bildungsreferentin vom Westdeutschen Förderkreis Oikocredit, über die Arbeit der in den Niederlanden ansässigen, weltweit tätigen Genossenschaft für sozial-ökologische Investitionen. Oikocredit feierte 2025 das 50-jährige Bestehen und hat zum Ziel, das Kapital der aktuell rund 45 000 Anleger mit sozialer Wirkung zu verbinden. Investiert wir vor allem in Mikrofinanzinstitutionen in Afrika, Lateinamerika und Asien, wo klassische Finanzierung fehlt. So entsteht dort Teilhabe und nachhaltige Entwicklung. Anhand mehrerer konkreter Projekte zeigte Nina Martello, wie das schon gelungen ist.
Abschluss fand die Jubiläumsfeier des Eine-Welt-Kreises mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Christina, den Marita Feldmann vorbereitet hatte und mit Pfarrer Moritz und Pastor Kemper gestaltete. Für die musikalische Begleitung sorgte das Vokal- und Instrumentalensemble der Rhedaer Johanneskirchengemeinde unter der Leitung von Ulrike Nowak-Heil.
Pfarrer Moritz nahm in seiner Predigt Bezug auf die Lesung, die Pastor Kemper vorgetragen hatte. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt.20,1-16) richtet Jesus den Blick auf eine zentrale Frage: „Was ist, wenn wir immer rechnen, ob sich etwas lohnt?“, so Rainer Moritz, „führt der Maßstab der Leistung zu mehr Gerechtigkeit? Wir leben in einer Welt, in der Kostensenkung im Mittelpunkt steht. Meist müssen die Menschen am Anfang der Lieferkette dafür den Preis bezahlen. Fairer Handel kann diese Rechnung verändern hin zur Gerechtigkeit. Im Evangelium erzählt Jesus von einem Gott, der nicht kleinlich rechnet – fangen wir an, es ihm nachzumachen.“ Und Pastor Josef Kemper gratulierte dem Eine-Welt-Arbeitskreis für ihr besonders Engagement und brachte es in drei Schlagworten auf den Punkt: „Sie sind Vorbild für kritisches, gemeinwohlorientiertes und prophetisches Handeln.“
Der Eine-Welt-Laden im Pfarrzentrum Herzebrock ist donnerstags von 15 bis 16.30 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Nach der Herbstpause, ab Donnerstag, 5. November, ist der Laden wieder geöffnet.